GENAU BETRACHTET

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Türkise Bilanz

Die jüngste Nationalratswahl brachte auch für die Landwirtschaft eine enorme Verschiebung der bisherigen politischen Verhältnisse. Die Grünen wurden nach erdrutschartigen Verlusten von Wählerstimmen aus dem Parlament gekickt. Der ohnehin nicht mehr nominierte Wolfgang Pirklhuber, seit Jahren das Gesicht fachlich fundierter Agraropposition zum dominanten Bauernbund, hat keine Nachfolger im Hohen Haus.
Wie sehr der Bauernbund vom Wahlsieg der Türkisen um Sebastian Kurz samt Zugewinn an Parlamentssitzen profitiert, kommt darauf an, ob die ÖVP letztlich den Kanzler stellen wird. Immerhin: Vor dem 15. Oktober stellten die Bauernbündler 13 Mandatare im Nationalrat. Künftig werden es 16 sein, wenn auch darunter – in einem Land mit rund 20 Prozent Bioanteil – nur ein einziger Biobauer. Dazu kommen bestenfalls zwei Regierungsämter für Elisabeth Köstinger und/oder Andrä Rupprechter. Bei der FPÖ muss man die Bauern nach dem unfreiwilligen Abgang von Harald Jannach ohnehin mit der Lupe suchen, detto in der SPÖ oder bei den NEOS.
Nach Köstingers Rückkehr nach Wien – ohne Nachfolger aus dem Bauernbund, sondern dem ÖAAB  – hat Österreich dennoch einen Landwirt im EU-Parlament. Der steirische Biobauer Thomas Waitz von den Grünen folgt auf Ulrike Lunacek. Und das gleich auf höchster Gestaltungsebene.
Die türkisen Bauern werden von diesem eigenen Dilemma vorerst gezielt ablenken. Etwa durch besondere Betonung der wichtigen Rolle Österreichs beim EU-Ratsvorsitz ab Juli – bei dem jedoch vorrangig Fischereistreitfragen auf der Agrar­agenda stehen werden.