Foto: agrarfoto.com

Zuckerrüben: Anbau mit Einschränkungen

63. Vollversammlung des Burgenländischen Rübenbauernbundes in Deutschkreutz: Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage der Zuckerindustrie in Europa und Österreich wird es wieder einige Einschränkungen für den Zuckerrübenanbau 2026 geben. Im Burgenland wurden im Jahr 2025 von rund 176 Rübenbäuerinnen und Rübenbauern auf einer Fläche von etwa 1.800 ha Rüben angebaut und über 136.300 Tonnen geerntet.

“Die Preisaussichten sind aktuell niederschmetternd. Zudem ist die wirtschaftliche Lage der Zuckerindustrie in Europa und in Österreich weiterhin sehr angespannt. Deshalb bleibt die Zuckerrüben-Anbaufläche im Burgenland weiterhin niedrig“, berichtet Markus Fröch, Präsident des Burgenländischen Rübenbauernbundes. LK-Präsident Nikolaus Berlakovich ergänzt: “Die Landwirtschaft und auch die  Rübenbauern erleben gerade unruhige Zeiten und die Frustration ist groß. Die zollfreien Zuckerimporte aus der Ukraine sind nach wie vor zu hoch, wenngleich etwas geringer als 2025. Durch das Mercosur-Abkommen kämen weitere Importe zu uns nach Europa und würden die Preise am heimischen Zuckermarkt noch mehr verzerren. Deshalb sind wir gegen das Mercosur-Abkommen, weil dadurch Existenzen unserer Bauern gefährdet sind.“

Die hohen Rübenpreise sind nach 2022 und 2023 längst wieder Geschichte. Für die Abrechnung 2025 zeichnet sich ein ähnlich schlechter Rübenpreis wie 2024 mit knapp 35 Euro/t ab. “Das ist fast die Hälfte weniger als 2023. Der Bauer braucht aber rund 45 Euro/t um wirtschaftlich überleben zu können“, schildert Fröch.

Enormer Preisdruck am Zuckermarkt

Die Lage am österreichischen und europäischen Zuckermarkt ist sehr angespannt. Es herrscht ein Überangebot am EU-Markt und viele Länder in Osteuropa sind noch gut mit ukrainischem Zucker versorgt, auch wenn die Importe mit dem Ausschöpfen der zollfreien Zuckerkontingente seit Juli 2024 stark zurückgegangen sind. Gleichzeitig wird auch noch weniger Zucker konsumiert. In Österreich werden rund 29,6 kg Zucker pro Jahr konsumiert, rund zehn Kilogramm weniger als noch im Jahr 2000. “Um den Zuckermarkt zu entlasten wurde 2025 EU-weit die Rübenanbaufläche um zirka 10% reduziert. In Österreich wurde die Anbaufläche ebenfalls kontingentiert: von 44.000 ha auf etwa 24.500 ha. Im Burgenland von knapp 3.000 ha auf rund 1.800 ha. “Das ist notwendig, um längerfristig die Existenz unserer Rübenbäuerinnen und Rübenbauern zu sichern. Auch 2026 werden weniger Zuckerrüben angebaut werden“, so Fröch.

Zukunftsaussichten am Zuckerrübenmarkt

Kurzfristig ist keine nachhaltige Entspannung am europäischen Zuckermarkt in Sicht. Für das Jahr 2026 rechnen Marktbeobachter weiterhin mit einem hohen Wettbewerbsdruck, gedämpften Zuckerpreisen und einer vorsichtigen Anbaupolitik der Zuckerindustrie. Die kontingentierten Anbauflächen in Österreich und anderen EU-Staaten werden daher vorerst bestehen bleiben.

Mittelfristig hängen die Zukunftsaussichten des Zuckerrübenanbaus maßgeblich von politischen und strukturellen Rahmenbedingungen ab. “Entscheidend sind ein wirksamer Außenschutz des EU-Marktes, faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber Importware sowie ein klares Bekenntnis zu modernen Produktionsmitteln. Ohne zeitgemäßen Pflanzenschutz und neue Züchtungstechnologien – etwa im Bereich krankheits- und trockenheitstoleranter Sorten – verliert der europäische Rübenanbau weiter an Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Berlakovich.

Stabile Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Überleben

“Langfristig kann der Zuckerrübenmarkt nur dann stabilisiert werden, wenn Angebot und Nachfrage wieder in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden und die bäuerlichen Betriebe kostendeckende Preise erzielen können. Die Zuckerrübe bleibt eine wichtige regionstypische Kultur für Fruchtfolgen, regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit. Voraussetzung dafür sind jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen, Planungssicherheit für die Betriebe und ein klarer Schutz der europäischen Landwirtschaft vor Marktverzerrungen durch Importe. Wir benötigen stabile Rahmenbedingungen, damit unsere Zuckerrübenbauern auch weiterhin diese regionstypische Pflanze anbauen können und sich die Bewirtschaftung lohnt. Ist das nicht der Fall, sind unsere Bauern nicht wettbewerbsfähig und es wird Ware aus dem Ausland importiert. Dies führt zu einem Verfall unserer Kulturlandschaft und ist nicht im Sinne des Klimaschutzes“, plädiert Fröch abschließend.