Foto: Die Vifzack-Bestplatzierten: Michael Windberger (Platz 3), Maria Bernhart (Platz 2), Lisa-Marie Gollowitsch (Platz 1), Samuel Friesinger (Platz 3), Daniel Konrad (Platz 3). Foto: Fuchs LK Steiermark

Die Vifzack 26 stehen fest

Bei der Siegergala des Innovationspreises Vifzack 2026 der steirischen Landwirtschaftskammer wurde Lisa-Marie Gollowitsch aus Markt Hartmannsdorf mit ihrem Projekt „Patenhuhn“ zur Gewinnerin gekürt. Den zweiten Platz erreichte Maria Bernhart aus Eibiswald mit dem Projekt „Steirische Physalis von B&B Raritäten“. Drei dritte Plätze gingen an Michael Windberger aus Schladming mit „Garten am Berg“, Samuel Friesinger aus Fehring mit „Alte Rassen, bunte Bentheimer“ und Daniel Konrad aus Deutschlandsberg mit „Schilcherland Pilze im Schloss Frauental“. Der Jurypreis ging an Familie Kroisleitner aus Rettenegg mit der „Schaufischzucht Kroisleitner“.

„Die heimische Landwirtschaft bringt Innovationen am laufenden Band hervor. Damit treiben die steirischen Bäuerinnen und Bauern den Fortschritt auf ihren Höfen voran“, unterstreicht Präsident Andreas Steinegger. Vizepräsidentin Maria Pein ergänzt: „Die Innovatorinnen und Innovatoren gehen mutige Schritte und begründen mit Feuereifer neue Aktivitätsfelder.“ Oliver Kröpfl, Vorstandsmitglied der Steiermärkischen Sparkasse, betont: „Unsere landwirtschaftlichen Betriebe beweisen mit ihren kreativen Konzepten eindrucksvoll, wie viel Innovationskraft in ihnen steckt.“

Platz 1: Lisa-Marie und Martin Gollowitsch hauchen mit Patenhühnern, Brot und Kultur einem alten Hof neues Leben ein. Menschen übernehmen auf www.gmoarieglhof.at eine Patenschaft für ein konkretes Huhn – inklusive Namensgebung, Urkunde, monatlicher Eierlieferung österreichweit und Einblick über eine Kamera. Martin Gollowitsch züchtet alte Hühnerrassen, die langlebig, robust sind und bunte Eier legen. Mehr als die Hälfte der Patenschaften wird österreichweit per Versand abgewickelt. Seit Projektbeginn konnte der Betrieb den Umsatz um rund 100 Prozent steigern. Zweimal die Woche backen die beiden vier Sorten Brot im selbstgebauten Lehmofen. Neben Schule am Bauernhof organisiert Lisa-Marie Gollowitsch auch Veranstaltungen wie „Krimi im Heu“.

Platz 2: Maria Bernhart und Gerald Binder zeigen, dass Physalis auch regional erfolgreich angebaut werden kann. Auf ihrem Direktvermarktungsbetrieb in Eibiswald produzieren sie steirische Physalis – frisch, luftgetrocknet, gefriergetrocknet oder verarbeitet als Fruchtaufstrich und Fruchteis. Nach der Hofübernahme 2013 stellten die beiden den Betrieb neu auf. Gerald ist Maschinenbauer, Maria ist Biologin und arbeitet bei Saatzucht Gleisdorf. Neben Ölkürbis und Käferbohne entwickelten sie Chili, Popcornmais, Wassermelonen und Physalis. Die Physalis-Anbaufläche soll von 1.100 auf 3.000 Quadratmeter steigen.

Platz 3: Michael Windberger baut auf 960 Metern Seehöhe bei Schladming frisches Bio-Feldgemüse an – 30 bis 40 Kulturen und 120 Sorten. Der Quereinsteiger war bis 2020 Videograf, heute ist er Facharbeiter im Feldgemüsebau. Er bewirtschaftet 3.000 Quadratmeter Gemüse- und 4.000 Quadratmeter Biodiversitätsfläche. Die Höhenlage sieht er als Vorteil: Kühle Nächte lassen die Pflanzen langsamer wachsen und intensivere Aromen entwickeln. Seit Projektbeginn konnte der Umsatz verdoppelt werden. Ab heuer soll ein Beerengarten zum Selberpflücken neue Kunden locken, auch sollen 50 bis 100 Freilandhennen für eine Angebots-Erweiterung sorgen.

Platz 3: Samuel Friesinger wird Fleischermeister, Direktvermarkter, Winzer und Vollblut-Landwirt. Er baut eine eigene Fleischerei auf und beliefert heute mehr als 50 Billa-Filialen mit Friesinger Fleisch- und Wurstspezialitäten aus 100 Prozent Vulkanlandschwein. Parallel entsteht seine eigene Freilauf-Landwirtschaft in Fehring mit rund 50 Mastschweinen, neun Muttersauen und Geflügel alter Rassen. Friesinger setzt auf das fast vergessene „Bunte-Bentheimer“-Schwein. Mit seiner Edelschimmelsalami aus 100 Prozent Bentheimer-Fleisch holte er bei seiner ersten Landesprämierungs-Teilnahme einen Landessieg. Seit der Umstellung auf alte Nutztierrassen stieg der Umsatz um rund 50 Prozent.

Platz 3: Daniel Konrad züchtet im historischen Stollen von Schloss Frauental bei Deutschlandsberg Schilcherland Pilze. Als einer der wenigen Betriebe der Branche deckt er die gesamte Wertschöpfung selbst ab – von der Sporenvermehrung bis zum fertigen Produkt. Im Stollen wachsen Austernpilze, Kräuterseitlinge, Lion’s Mane und Shiitake. Das Substrat besteht aus Sägespänen des Biomassekraftwerks Schloss Frauental, die Energieversorgung erfolgt über eigene PV und ein Hackschnitzel-Blockheizkraftwerk. Seit Projektbeginn hat er den Umsatz um rund 101 Prozent gesteigert.

Jurypreis: Familie Kroisleitner aus Rettenegg erhält den Jurypreis für die Schaufischzucht Kroisleitner. Der Vater begann mit vier Erdteichen und einem Brutbecken in einem alten Hühnerstall. 2011 übernahm der Sohn den Betriebszweig Fischzucht und baute ihn mit seiner Frau Renate weiter aus. 2022 begann die Familie mit dem Bau der Schaufischzucht. Innerhalb von drei Jahren entstand ein Bruthaus, eine Fischhälteranlage, eine Fischverarbeitung, eine Fließkanalanlage, ein Gastronomiebetrieb und Mitarbeiterräumlichkeiten für 17 Mitarbeiter. Bei einstündigen Führungen gewährt die Familie Einblick in Fischzucht, Verarbeitung und Veredelung.