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„S wie Solidarität“

Der vereinbarte Stichtag für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union am 31. Oktober rückt näher. Als Vorbote erhöht Irland den Marktdruck bei Butter und Rindfleisch.

Die Landwirtschaft der grünen Insel Irland ist stark von den Briten als ihrem wichtigsten Handelspartner abhängig. Sollte ein Brexit ohne Nachfolgeabkommen ins Haus stehen, wird es schwieriger dorthin zu liefern. „Irland sucht daher für seine Produkte jetzt schon am EU-Festland Alternativmärkte“, schlägt Bauernbund-Präsident Georg Strasser Alarm. Vor allem bei den Paradeerzeugnisse Milch und Rindfleisch werde sich das auf die Preise auswirken. „Wenn mehr Butter aus Irland kommt, wird das Druck auf den Milchpreis erzeugen“, so Strasser.

Dass mehr irisches Fett relativ günstig in den heimischen Regalen zu liegen komme, sei kritisch zu betrachten. „Wenn die Butter sauber ausgelobt wird, ist es aber die Entscheidung des Konsumenten diese zu kaufen.“ Noch mehr Sorgen bereiten Strasser aber die Eigenmarken des Handels, die mittlerweile mehr als ein Drittel des Verkaufs für sich beanspruchen. „Diese haben schöne Fassaden, hinter denen die Produkte sehr leicht austauschbar sind. Der Konsument bekommt davon meist gar nichts mit“, meinte Strasser. Besonders stellte er die Handelskette Spar an den Pranger, die lange schon S-Budget-Butter aus dem Ausland verkaufe. Alle anderen Handelsketten würden nervös beobachten wie sich die Preise entwickeln.

„Das ‚S‘ darf nicht für Sparen am falschen Ort, sondern muss für Solidarität mit heimischen Bauernfamilien stehen“, sagte Strasser. Der Handel soll stattdessen Großzügigkeit zeigen und nicht um den letzten Cent feilschen. Der Bauernbund wünscht sich auch eine bessere Nachvollziehbarkeit der Herkunft. Hier könne die EU-Initiative für mehr Markttransparenz mehr Licht ins Dunkel bringen. „Wir haben das Recht zu wissen, woher unser Essen kommt. Daher muss es möglich sein, unsere Qualitätsprodukte klar zu kennzeichnen“, so Strasser.