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Landwirte zögern bei digitaler Revolution

Die Landwirtschaft steht vor einer technologischen Revolution. Doch zwischen Forschungsergebnissen und praktischer Anwendung steht eine Fülle von Hindernissen. Dazu gehören Misstrauen gegenüber digitalen Technologien, der Datenschutz und eine fehlende Versorgung mit Breitband auf dem Land. Bei der Outlook-Konferenz der EU-Kommission in Brüssel diskutierten Agrarpolitiker und Fachexperten über die Vorteile digitaler Lösungen für Landwirte beziehungsweise entlang der Wertschöpfungskette bei Lebensmitteln. Innovative Lösungen zur Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln, Dünger, Wasserverbrauch und Emissionen, aber auch moderne Techniken für die Tierproduktion sowie die Rückverfolgbarkeit in der Lebensmittelkette wurden präsentiert. Landwirtschaft 4.0, Robotik, Sensorik, Big Data und Blockchain waren nur einige Schlagwörter in diesem Zusammenhang.

„Die Akzeptanz in der Öffentlichkeit ist bei der Digital- und Satellitentechnik weniger das Problem als bei neuen Züchtungsmethoden“, betonte Peter Groot Koerkamp, Professor an der Universität Wageningen in den Niederlanden. Schließlich könnten Herbizide eingespart und Pflanzennährstoffe besser an den Bedarf angepasst werden, führte Koerkamp aus. Damit seien automatisierte Roboter und Satellitendaten eine Antwort auf den geforderten Umwelt- und Klimaschutz im Agrarsektor. Er schätzt das Einsparungspotenzial für Dünge- und Pflanzenschutzmittel auf 20 bis 40%. Landwirte ließen sich trotzdem nur mit Mühe von der Anwendung der Fortschritte überzeugen. Die Einsparung von Kosten und Zeit sei nicht immer gleich offensichtlich, erklärte Koerkamp das Zögern vieler Landwirte. Er geht davon aus, dass Sensoren und andere Robotertechniken billiger werden, wenn man sie zukünftig in großer Stückzahl produziert. Mit der Digitaltechnik werden nicht immer größere Maschinen produziert, sondern gerade auch Lösungen für kleine Betriebe entwickelt, ist Koerkamp überzeugt.

„Der Zugang zur Agritech-Revolution liegt mir sehr am Herzen – diesbezüglich werden wir sehen, welche Unterstützung die EU geben kann“, sagte EU-Agrarkommissar Phil Hogan auf der Outlook-Konferenz. Die Betriebe, insbesondere die kleinen und mittleren, bräuchten einen „Kickstart“, um bei der ersten digitalen Technikwelle dabei sein zu können. Zum Misstrauen möglicher Anwender aufgrund des Datenschutzes sagte Hogan: „Die Daten müssen in den Händen der Landwirte bleiben und nur mit ihrer ausdrücklichen Einwilligung dürfen sie weitergegeben werden.“ Das Problem von fehlenden Breitbandverbindungen für das Internet in ländlichen Regionen wies Hogan an die EU-Mitgliedstaaten zurück. Diese seien für den Ausbau zuständig und sollten dies auch energisch angehen, forderte der EU-Agrarkommissar.

Jannes Maes, Präsident des Europäischen Rats der Junglandwirte, CEJA, sieht drei Hemmnisse, die die Landwirte derzeit noch davon abhalten, digitale Technologien auf ihren Betrieben einzusetzen. „Das sind einmal die Kosten, die vor allem von Junglandwirten häufig nicht bezahlt werden können. Hier muss die Politik ansetzen“, forderte Maes. Auch an den Rahmenbedingungen mangle es noch. „Es braucht mehr qualitative Datenverbindungen, denn dort wo die Landwirte arbeiten, gibt es oft kein Signal. Außerdem muss das Vertrauen in diese Techniken gesteigert werden, denn diese bringen nur etwas, wenn die neuen Informationen zu Aktionen auf dem landwirtschaftlichen Betrieb führen“, beteuerte der CEJA-Präsident.


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