Genau betrachetet
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… genau betrachtet

Alarm am Ballhausplatz

Es ist ein Teufelskreis: Primär auf Ausbeute hochgezüchtete Kulturen und Anbausysteme machen gerade Ackerbauern zu schaffen. Vermehrte Hitze im Sommer, vielerorts mit viel zu geringen Niederschlägen übers Jahr verbunden, lassen die Erträge schwinden. Dazu fehlt es in den immer milderen Wintern an andauerndem Frost, der früher Schädlinge dezimieren half. Abgenommen hat auch die Artenvielfalt. In Feld und Flur sind Vögel und nützliche Insekten selten geworden. Der Klimaw­andel hat viele Ursachen. Und Auswirkungen.
Zigtausende Tonnen Erdäpfel wurden heuer durch Wurmfraß ent­wertet, Rüsselkäfer haben im Frühjahr den Rübenpflänzchen massiv zugesetzt. Dabei war das konventionelle Rübensaatgut nach wie vor piliert. Viele Bauern klagen dennoch über das Aus für umstrittene Wirkstoffe im konventionellen Pflanzenschutz. Dabei sei die Agrochemie ausreichend sicher und streng geprüft, beteuern deren Hersteller.
Schuld an der Misere seien hysterische NGOs durch überzogenen Alarmismus, meinen die einen. Und fordern nicht weniger aufschreckend eine „Notfallzulassung“ für gewisse Rübenbau-Präparate. Das Land Niederösterreich prescht nun im Sinne seiner Bauern mit einem Initiativantrag vor.
Im BMNT ziert man sich dagegen noch. Denn selbst sachliche EU-Entscheidungen wurden vom (damals designierten) Bundeskanzler zuletzt negiert. „Zu gefährlich“, meinte Sebastian Kurz etwa im Herbst 2017 nach der Glyphosatverlängerung gegenüber einer Boulevardzeitung. Und forderte ein früheres Verbot für Österreich.