Foto: Hagelversicherung

Appell an Vernunft bei Agrar-PV

Österreich verfolgt ambitionierte Ziele: Stromversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien bis 2030 und Klimaneutralität bis 2040. Photovoltaik (PV) leistet einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Energiesystems. Also: Photovoltaik „Ja“, aber wohin? Die Bundesregierung hat sich auch zum Ziel gesetzt, die Flächeninanspruchnahme zu reduzieren: Von jetzt 11,5  auf 2,5 Hektar pro Tag bis 2030. Darunter fallen auch für Energiezwecke gewidmete Flächen. Diese sind für einen Normertrag nicht mehr geeignet. Daher: „Ein klares Ja für Photovoltaik, aber nicht auf ‚lebenden‘ Äckern und Wiesen, sondern auf ‚toten‘ Flächen. Dazu zählen Dachflächen von Firmen, Supermärkten, Wohnblöcken, Bauernhöfen und Gewerbeparks, Überdachungen von Parkplätzen sowie entlang von Bahntrassen und Autobahnen. Wir müssen nämlich die Lebensmittelproduktion sichern und die Klimakrise ernsthaft bekämpfen. Die Energiewende und der Ausbau der Photovoltaik dürfen daher nicht weiter zulasten der Agrarflächen gehen, denn diese sind durch die generelle Verbauung ohnedies stark rückläufig. Agrarflächen – und dazu zähle ich auch gerodete Waldflächen – dürfen aus Profitgier nicht zu einer Rendite- und Anlagequelle werden!“, so der Chef der Österreichischen Hagelversicherung, Kurt Weinberger, in einem Appell an die Vernunft.

Präsident Josef Moosbrugger unterstreicht die Position der LKÖ mit dem Motto „Dächer zuerst“! „Es ärgert mich extrem, wenn auf wertvollsten Agrarflächen PV-Anlagen wie Pilze aus dem Boden schießen, unsere Betriebe für Dachflächenanlagen hingegen keine Genehmigungen erhalten. In zweiter Linie sollten Restflächen entlang von Autobahnen, Lärmschutzwänden oder Bahnlinien verwendet werden, die in der Lebensmittel-Produktion keine Bedeutung haben. Wir müssen dringend für ganz Österreich eine Flächenpotenzial-Erhebung vornehmen, bei der landwirtschaftliche Vorrangflächen klar definiert sind. Es gilt, unsere wertvollen Agrarböden zu schützen. Auch innovative Mehrfachnutzungskonzepte, bei denen die Agrarproduktion weiter im Vordergrund steht, können hier als Agrar-PV-Systeme interessante Lösungsansätze bieten. Der derzeit herrschende ungeregelte PV-Wildwuchs in Richtung bester landwirtschaftlicher Böden ist hingegen mit Sicherheit nicht nachhaltig“, betont Moosbrugger.

Kritisch merkt auch Univ.Prof. Wolfgang Liebert vom Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften der BOKU zur Agrar-PV an: „Ausgerechnet Agrarflächen für PV nutzen zu wollen, ist nicht nachvollziehbar. Wenn alle sehr gut bis gut geeigneten Dachflächen in Österreich mit Aufbau von PV-Anlagen genutzt würden, wäre das Ziel des 2021 verabschiedeten Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes von 11 TWh/a PV-Strom bis 2030 wohl erreichbar. Nochmals mindestens dasselbe PV-Potenzial bestünde, wenn beispielsweise die 200 Quadratkilometer an gewerblichen Brachflächen für PV genutzt werden könnten. Die in den letzten zehn Jahren zusätzlich versiegelten Flächen in Österreich hätten ein Potenzial von mehreren Dutzend TWh/a gehabt. Daher sollte man mit PV-Anlagen dorthin gehen, wo nichts oder nichts mehr wächst.“

„Der Umbau des Energiesystems auf erneuerbare Energieträger ist notwendig, aber bitte mit Intelligenz, Vernunft und aus Verantwortung gegenüber unseren zukünftigen Generationen. Daher gilt das Motto: ‚Dächer nützen, hochwertige Agrarflächen schützen‘“, so der abschließende gemeinsame Tenor von Moosbrugger und Weinberger.


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