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Bitter-süße Agrana-Bilanz

Die Agrana leidet immer noch unter der Krise im Segment Zucker, wo ein satter Verlust eingefahren wurde. Die Stärkeproduktion zeigt sich stabil. Lindernd wirkt das Segment Food & Berverage Solutions. Unter dem Strich steht ein Jahresverlust von 35,6 Euro.

Von einem schwierigen Marktumfeld, in dem eine Krise auf die andere folge, sprach der CEO der Agrana Beteiligungs AG, Stephan Büttner, bei der Bilanzpressekonferenz zum Geschäftsjahr 2025/26. „Trotz schwieriger Rahmenbedingungen hatten wir eine solide Geschäftsentwicklung.“ Die Umsatzerlöse gingen laut den finalen Zahlen um 7,9 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zurück, dasoperative Ergebnis stieg um 6,2 Prozent auf 81,2 Millionen Euro. Abzüglich von Sondereinflüssen im Zusammenhang mit Wertminderungen auf Sachanlagevermögen bleibt allerdings ein negatives Konzernergebnis von minus 35,6 Millionen Euro. „Es mussten weitere Restrukturierungs-Sondereffekte im Zuckergeschäft verbucht werden, was letztlich zu dem negativen Konzernergebnis führte“, so Büttner.

Die Herausforderungen seien keine vorübergehende Phase, sondern Teil einer neuen Realität. Die Agrana hatte darauf mit der Schließung zweier Fabriken – in Leopoldsdorf im Marchfeld und in Hrusovany in Tschechien – reagiert. 600 Mitarbeiter wurde gekündigt, die Dividende für die Aktionäre halbiert. „Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir eine gute Basis haben“, meinte der CEO. Um wettbewerbsfähig zu sein, müsse aber auch der Rohstoff da sein. Mit dem Rübenbauernbund hat man eine neue Dreijahresvereinbarung getroffen. Statt wie 2024 noch 44.000 Hektar wurden für heuer laut dem Agrana-Rohstoffverantwortlichen Franz Ennser nur noch 24.800 Hektar kontrahiert. „Wir mussten die Verträge an die Marktlage anpassen und bekamen keine Überflächen angeboten.“ Die verbliebene Fabrik in Tulln sei damit ausgelastet und abgesichert.

Ein wesentlicher Grund für den Einbruch der einstigen Königskultur Zuckerrübe sind die Importmengen, die der Ukraine zwischenzeitlich von der Europäischen Union zugestanden wurden. Dazu kommt noch das Südamerika-Freihandelsabkommen Mercosur. „Möchte man eine eigene Versorgung mit Zucker haben? Wenn man keine Produktion haben will, soll man das sagen“, stellte Stephan Büttner in den Raum. Im Rahmen der Aktualisierung der zollfreien Kontingente sei der Import nun auf 100.000 Tonnen beschränkt. „Aber auch das ist nicht akzeptabel. Wir brauchen null.“ Die Billigimporte, gerade in Länder wie Rumänien, Bulgarien und Ungarn, wo die Agrana aktiv ist, hätten immer noch Auswirkungen auf die Lagerbestände, die massiven Folgen würden das Unternehmen wohl noch jahrelang beschäftigen. „Die Ukraine ist ein Beispiel, wie man es nicht macht. Importe darf es nur dann geben, wenn sie zu fairen Bedingungen geschehen.“

Da die Rübenanbauflächen in der EU jedoch deutlich reduziert wurden, erwartet die Agrana dennoch, dass sich wieder ein brauchbarer Marktpreis einstellt. Auch bei den ebenso bedauerlich niedrigen Getreidepreisen sieht Franz Ennser Licht am Ende des Tunnels: „Es hat zwar weltweit ein sehr gutes Erntejahr gegeben. Hinter dem zweiten Halbjahr steht aber noch ein Fragezeichen. Und normalerweise korreliert der Weizenpreis mit dem Öl.“ Zur Stabilisierung tritt die Agrana zudem für eine höhere Beimischung von Bioethanol zum Benzin ein. „E20 statt E10 bringt mehr regionale Wertschöpfung und Klimaschutz und eine geringere Abhängigkeit von Ölimporten.“ Insgesamt wolle der Konzern den Ackerbau stärken, schloss Büttner: „Wir kämpfen für unser Unternehmen, für die Lieferanten und für die Eigenversorgung.“