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Wissenschaft soll Herkünfte beweisen

„Die Besten am Markt werden gerne billig kopiert, das sieht man Jahr für Jahr an Tonnen von gefälschten Uhren, Taschen, T-Shirts, Handys oder Medikamenten, die publikumswirksam zerstört werden“, meinte LK Österreich-Präsident Hermann Schultes im Rahmen der Klartext-kompakt-Veranstaltung „Herkunft absichern“ in Wien. „Wir wissen, dass unsere Landwirtschaft in der Oberliga spielt, was Lebensmittelqualität angeht. Wir brauchen und wollen keine Nachahmer, die mit unserem guten Namen, aber minderer Qualität ihre Geschäfte machen.“ Daher arbeite die Kammer eng mit der Wissenschaft zusammen, um Herkunft beweisbar zu machen. Die neuen Methoden, wie Isotopenanalyse und Foodprofiling, seien dabei geeignete Instrumente, die Lebensmittel-Herkunft wissenschaftlich abzusichern. „Wir verlangen aus diesem Grund einen weiteren Ausbau von Forschung und praktischer Anwendung“, so Schultes.

Österreichs Bäuerinnen und Bauern würden beste Qualität unter besonderen Bedingungen erzeugen. Das bringe Wertschätzung bei den Kunden, müsse aber auch mit einem höheren Preis honoriert werden. „Denn nur mit einem entsprechenden Preisabstand zur Billigware kann Qualität auf Dauer abgesichert werden. Hier helfen uns neue wissenschaftliche Methoden, den Wahrheitsbeweis anzutreten, um den notwendigen Preis auch zu rechtfertigen, denn unsere Mühe verträgt die Transparenz“, so Schultes.

Aus dem Biobereich und von Produkten mit geschütztem geographischen Ursprung würde man wissen, dass alles, was besser ist und bei den Kunden gut ankommt, rasch Nachahmer finde. „Solche Trittbrettfahrer wollen wir mit den neuen Untersuchungsmethoden abschütteln. Denn Wahrheit und Wertschätzung sind ein Geschwisterpaar, Qualität und besserer Preis auch.“ Bäuerinnen und Bauern würden jene Wertschätzung und auch Wertschöpfung, die aus der hohen Qualität ihrer Produkte komme, verdienen. Kunden, Konsumenten und Gäste würden die beste Ware zum besten Prei verdienen.“ Und dies alles sichert eine transparente, wissenschaftlich fundierte Herkunftskennzeichnung ab“, unterstrich Schultes.

Wie die Herkunftsabsicherung mittels Isotopenanalyse funktioniert, erläuterte Univ.-Prof. Thomas Prohaska (BOKU Tulln). Die Rückverfolgbarkeit der Herkunft von Lebensmitteln müsse fälschungssicher und nachvollziehbar sein, nur dadurch könne das Vertrauen der Konsumenten gewährleistet werden, so Prohaska. Dies könne etwa durch einen multichemischen Fingerabdruck erfolgen. Bei der von ihm praktizierten Methode gehe es um die spezifische Zusammensetzung der Isotopen (Atomkerne eines bestimmten chemischen Elements), diese werde bei Pflanzen durch natürliche chemische und physikalische Prozesse verändert. Daraus könne je nach Standort oder Region eine Art Fingerprint und in der Folge eine eigene Isotopen-Landkarte erstellt werden, so der Experte. Durch den Vergleich mit Datenbanken oder Referenzproben könne damit die Herkunft – beispielsweise von Marchfelder Spargel – zugeordnet werden. Bei Freilandgemüse und Fisch funktioniere diese Methode gut, bei höher verarbeiteten Erzeugnissen wie Wurst sei dieser Herkunftsnachweis allerdings sehr schwierig.

Franz Siegfried Wagner, er leitet ein Technisches Büro für Lebensmittel- und Biotechnologie in der Steiermark, stellte mit dem so genannten „Foodprofiling“ eine neue Methode zur Prüfung der Authentizität von Lebensmitteln vor. Anhand der verschiedenen Inhaltsstoffe eines Produkts wird ein metabolischer Fingerabdruck erstellt. Bei Äpfeln können dabei bis zu 3.000 unterschiedliche Stoffe gemessen werden. Ziel ist es laut Wagner, länderspezifische Substanzen – etwa beim steirischen Kürbiskernöl – zu definieren. In einem eigenen Pilotprojekt konnte man die geografische Herkunft von Äpfeln bis zur jeweiligen Plantage zuordnen, und zwar unabhängig von der Sorte, erläuterte er.


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