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Bodenverbrauch sinkt langsam

Der Bodenverbrauch in Österreich sinkt langsam, wie die Überprüfung des Umweltbundesamtes zeigt. Aktuellen Zahlen zufolge wurden in der Periode 2016 bis 2018 pro Tag 11,8 ha neu beansprucht – das bedeutet einen Rückgang um rund 9% gegenüber dem Zeitraum 2015 bis 2017. „Seit dem Jahr 2013 beobachten wir einen sinkenden Trend, der in die richtige Richtung geht. Das ist auch dringend notwendig, damit uns der Boden nicht verloren geht“, kommentiert Karl Kienzl, Stellvertreter der Geschäftsführung im Umweltbundesamt, die Entwicklung. 2018 betrug der tägliche Bodenverbrauch 10,5 ha. Davon wurde ein Großteil für Bau- und Verkehrsflächen (5,4 ha) sowie Betriebsflächen (4,7 ha) genutzt. 0,4 ha/Tag wurden für neue Erholungs- und Abbauflächen beansprucht.

„Böden sind unsere wichtigste Lebensgrundlage, wir müssen sie viel besser schützen“, erinnert Kienzl und plädiert für ein strategisches Flächenmanagement, das eine Verankerung der Bodenfunktionen in den entsprechenden Gesetzen vorsieht. Auch die Definition von Vorrangflächen für die landwirtschaftliche Produktion, für Hochwasser-Rückhaltung und ökologisch wertvolle Gebiete sind wichtige Elemente. Die Nutzung von brachliegenden Industrie- und Gewerbeflächen sowie von ungenutzten Wohnflächen im Dorf oder in der Stadt soll Vorrang vor Ansiedelungen auf der grünen Wiese haben. „Wir müssen über neue, nachhaltige Ansätze für die Siedlungs- und Gewerbeentwicklung ohne zusätzlichen Bodenverbrauch nachdenken“, fordert Kienzl.

Als äußerst positiv bezeichnete der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, Kurt Weinberger, die Zahlen. „Wir liegen aber noch immer über dem Ziel der Österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie von 2002, wo der tägliche Bodenverbrauch mit 2,5 ha festgelegt wurde.“Er verweis auf den enormen Leerstand in Österreich in der Größenordnung der Stadt Wien. „Die Revitalisierung dieser mehr als 40.000 ha leerstehenden Immobilien ist das Gebot der Stunde.“ Als Finanzmanager, der aus der Wirtschaft komme und ständig mit den zunehmenden Naturkatastrophen konfrontiert sei, habe er keine Berührungsängste mit dem Wort ‚Nachhaltigkeit‘. „Im Gegenteil: Ökologische, ökonomische und soziale Interessen ergänzen – vernünftig eingesetzt – einander. Die Natur braucht uns nicht, wir aber brauchen die Natur. Andernfalls werden uns unsere Enkel und Urenkel später im doppelten Sinn fragen: Warum habt ihr uns damals unsere Zukunft verbaut?“, so Weinberger.