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Vorbilder für Agrarreform gesucht

Programme für Landwirte mit messbaren Erfolgen für Umwelt und Innovation forderte Professorin Thia Hennessy von der Universität Cork im Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments. Die Umweltauflagen in der ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) seien zwar ein Anfang, reichten aber nicht, um die Erwartungen der Öffentlichkeit an die Agrarpolitik zu erfüllen. Die EU-Abgeordneten hatten in dieser Woche Experten geladen, um sich über die Agrarpolitik außerhalb der EU zu informieren. Überzeugende Vorbilder für die Reform der GAP konnten die Experten nicht liefern. Zu extrem hohen Förderungen, wie sie heute noch Japan und der Schweiz gezahlt werden, will kaum einer der Europaabgeordneten zurück. Aber auch Staaten wie Neuseeland und Australien, die ihre Landwirte weitgehend den freien Agrarmärkten überlassen, konnten nicht überzeugen.

Immerhin berichtete die irische Professorin von der Zielgenauigkeit der Agrarpolitik in Australien und Neuseeland. Dort würden genaue Kriterien für Umweltziele oder die Innovation in den Betrieben aufgestellt. Die dortigen Förderprogramme bestünden aus Stufen und messbaren Zwischenschritten, nach denen die teilnehmenden Landwirte ihren Ausgleich bekommen. An der Effizienz der Agrarpolitik in Australien und Neuseeland sollte sich die EU ein Vorbild nehmen, betone Hennessy und berichtete, dass auch EU-Agrarkommissar Phil Hogan einen Abschluss an ihrer Universität in Cork gemacht habe.

In den USA und in Kanada läge das Förderniveau unter dem der EU, erklärte Erik Mathijs, Professor an der Universität Löwen. Allerding verzerrten dort vor allem antizyklische Zahlungen den Markt stärker als die GAP der EU mit ihren entkoppelten Direktzahlungen. In Kanada und den USA beteilige sich der Staat zudem an Prämien für private Versicherungen. Die Erzeuger könnten dort entscheiden, welche Mindestpreise für Milch oder Geflügel sie über private Gesellschaften absichern möchten und wie hoch die Prämien dementsprechend ausfallen. Leider würden im Nebeneffekt auch Versicherungsgesellschaften mit der Agrarpolitik unterstützt, bemängelte Mathijs. Vorherige Angebote ohne Hilfen zur Preisabsicherung im Sektor würden zudem durch die Förderungen sofort gestoppt. Weiterhin habe die EU mit ihren vielen Kleinbetrieben einen viel höheren Verwaltungsaufwand für die Versicherungen als die größeren Betriebe in Nordamerika. Das mache die Risikoabsicherung in der EU teurer und sorge dafür, dass die Angebote über Erzeugergemeinschaften oder Genossenschaften laufen müssten.


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