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Elektronische Ohrmarken machen Probleme

„Die seit Anfang Oktober im Umlauf befindlichen elektronischen Rinder-Ohrmarken gefährden das Tierwohl und verursachen einen nicht absehbaren finanziellen Schaden für unsere Landwirte“, stellt der Landesobmann des Salzburger Bauernbundes Rupert Quehenberger fest. „Ich bin sehr verwundert, wie die AgrarMarktAustria ein System auf den Markt bringen kann, das vorab nicht getestet wurde und wie sich nun herausstellt auch nicht funktioniert. So ein Schnellschuss wäre nicht notwendig gewesen, sind doch die mit der EU vereinbarten Übergangsfristen lang genug.“

Am 18. Juli 2019 trat eine neue EU-Verordnung in Kraft, durch die die Kennzeichnung von Rindern mittels elektronischer Kennzeichnung durchzuführen ist. „In umfassenden Gesprächen mit Vertretern der Branche wurde für Österreich entschieden, elektronische Ohrmarken einzuführen“, erklärt Rupert Quehenberger die Sachlage. „Die Entwicklung der elektronischen Ohrmarken wurde von der AMA durchgeführt und seit Anfang Oktober werden die neuen Ohrmarken nun an die Höfe verteilt. Niemandem war bewusst, dass das von der AMA vertriebene System nicht vorab getestet wurde. So stellte sich erst in den Betrieben heraus, dass durch die fehlerhaften Ohrmarken das Tierwohl stark gefährdet wird. Die Maschinen erkennen die Tiere oft nicht. So werden zB. Kälber nicht mit ausreichend Milch versorgt oder Milchkühe nicht gemolken.“

„Für mich ist das Vorgehen der AMA unverständlich. Mit der EU wurde eine Übergangsfrist vereinbart, die besagt, dass das neue System in den Mitgliedsstaaten bis Mitte 2020 eingeführt werden muss. Es wäre also genügend Zeit gewesen, um die elektronischen Ohrmarken im Probebetrieb zu testen und ein ausreiftes System auf den Markt zu bringen“, so Quehenberger. „Durch diesen unnötigen Schnellschuss wird nicht nur das Tierwohl gefährdet, sondern auch unserer Landwirte massiv verunsichert. Nun herrscht große Unsicherheit bei den Bauern, denn erst Ende Februar 2020 soll über das weitere Vorgehen entschieden werden. Bis dahin ist nicht klar, welche finanziellen Auswirkungen der Schnellschuss der AMA auf die Betriebe haben wird. Ich erwarte mir von der AMA eine schnelle und offene Information aller Betroffenen“, so Quehenberger abschließend.