Genau betrachetet
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… genau betrachtet

Der Plauderer

Am Ende gab es viele lange Gesichter. Der Auftritt von Phil Hogan bei der diesjährigen Wintertagung enttäuschte jene, die sich vom Agrarkommissar einigermaßen greifbare Vorstellungen erwartet hatten, wie die EU nach 2020 ihre gemeinsame Agrarpolitik gestalten möchte. Konkrete Zahlen und hierzulande ohnehin bekannte Fakten lieferte Hogan primär die österreichische Landwirtschaft betreffend: etwa über die vielschichtige agrarische Gebietskulisse, kleine Betriebsstrukturen oder den herausragenden Bioanteil. Wie Brüssel gerade solche Bauern künftig gezielt absichern und fördern möchte, blieb Hogan trotz betonter Anbiederung schuldig.
Jene, die den hünenhaften EU-Politiker und sein Wirken dagegen seit längerem genauer verfolgen, zeigten sich einmal mehr ernüchtert. Dem Kommissar eilt mittlerweile EU-weit der Ruf voraus, mehr ein unverbindlicher Plauderer denn geschäftiger Macher zu sein. Bei seiner zweiten Österreich-Visite wurde er dieser Einschätzung jedenfalls gerecht.
Eine wenn auch knappe Beurteilung der aktuellen GAP nahm, vor eher gleichmütiger Zuhörerschaft, ein junger Agrarschüler vor. Er meinte – in besserem Englisch als mancher Minister – erfrischend kritisch: die EU fördere über die Direktzahlungen nach wie vor zu viele Großbetriebe, die dafür aber kaum Umweltleistungen erbringen würden. Diese Gelder seien besser an Klein- und Biobetriebe umzuschichten, weil dort besser aufgehoben. Vielleicht hat Phil Hogan beim Rückflug ja darüber nachgedacht. Damit das Ticket nicht völlig umsonst war.