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„Precision Farming“ mit sattem Wachstum

Welche Chancen und Herausforderungen moderne Technologien für den Agrarsektor mit sich bringen, beleuchtete Martin Hirt, Leiter des LFI-Projekts „Digitalisierung in der Land- und Forstwirtschaft“, beim Fachtag Schweinehaltung der Wintertagung des Ökosozialen Forums in Wels. Einen wesentlichen Schwerpunkt legte er dabei auf die Präzisionslandwirtschaft, die auch in Österreich immer stärker Fuß fasst.

„Auch die Fülle an Medienberichten verdeutlicht, dass die Digitalisierung in der Land- und Forstwirtschaft längst Einzug gehalten hat. Und mehr noch: Unser Sektor stellt dabei sogar einen Vorreiter dar. Moderne Technologien ziehen sich durch alle Produktionssparten und Handlungsfelder. Egal, ob es sich um Verwaltung, Ökologie, Betriebswirtschaft, Bildung und Beratung oder Kommunikation handelt, die Landwirtschaft 4.0 ist allgegenwärtig“, betonte Hirt.

Insbesondere der Markt für Präzisionslandwirtschaft („Precision Farming“) wächst – und das global um 12% jährlich. Unter diesem Begriff ist die Berücksichtigung spezifischer Teilaspekte innerhalb eines Schlages oder Tierbestandes zu verstehen. So kann etwa die Düngung genau an die aktuellen Bodenverhältnisse angepasst werden. Auch in Österreich springen immer mehr Betriebe auf diesen Zug auf. Einer KeyQuest-Umfrage zufolge waren 2016 in 6% der Betriebe beziehungsweise auf 13% der Ackerflächen Precision Farming-Technologien im Einsatz. Auch punkto Beratung erhalten Landwirtschaftskammern immer häufiger Anfragen zu diesem Thema, Agrartechnologie-Fachkräfte sind laut dem Projektleiter zunehmend gefragt.

Weiters hob Hirt vier wesentliche Trends in der Präzisionslandwirtschaft hervor, zum Beispiel die immer besseren Sensor-Technologien (Ultraschall, Kameras und satellitengestützte Systeme). Diese sind etwa für die Erfassung der Boden-, Klima- und Pflanzendaten entscheidend und auch Basis für diverse automatische Lenksysteme. Der zweite Trend ist die zunehmend präzise Entscheidungsfindung auf Basis gesammelter und ausgewerteter Daten. Drittens lassen sich Prozesse immer häufiger und besser aus der Ferne, etwa mittels Smartphone, überwachen und steuern. Ein Beispiel dafür ist die Wiegung von Schweinen per Handykamera – entwickelt vom österreichischen Start-up-Unternehmen Wuggl. Der vierte Trend bezieht sich auf Automatisierung und Robotisierung. So werden sich vermutlich bald verschiedenste Geräte und Maschinen gut vernetzen lassen, um dann in Eigenregie zu funktionieren. Weiters kommen Drohnen in immer mehr Bereichen zum Einsatz. Dazu zählen etwa biologische Schädlingsbekämpfung, Rehkitz-Rettung bei der Maht oder Borkenkäfer- und Bodenschadens-Monitoring.

Hindernisse sieht der LK-Experte derzeit insbesondere im Bereich der Kosten. „Die Technologien müssen sich rentieren, um interessant zu sein. Es ist aber nicht immer aufwendige Landtechnik notwendig. Auch kleinere Anwendungen über das Smartphone werden immer besser und gängiger“, so Hirt. Weiters können fehlende Schnittstellen zwischen Systemen unterschiedlicher Anbieter sowie Datenschutzfragen für Probleme und Unsicherheiten sorgen. „Von zentraler Bedeutung wird auch weiterhin der Ausbau von Breitbandinternet im ländlichen Raum sein“, betonte Hirt.


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