Foto: ARGE Heumilch

Zehn Jahre Gütesiegel: Wie die Heumilch Tradition zur Marke machte

Seit einem Jahrzehnt trägt Heumilch das EU-Gütesiegel „garantiert traditionelle Spezialität“ (g.t.S.). Der Rückblick zeigt: Aus dem Schutz einer alten Wirtschaftsweise ist ein wirtschaftlicher Erfolg geworden.

Ein Siegel mit Signalwirkung

2016 wurde der ARGE Heumilch in Salzburg das europäische Gütesiegel verliehen, als erstem Produkt im deutschsprachigen Raum. Der damalige Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter überreichte die Auszeichnung. Sie schützt die traditionelle Heuwirtschaft auf europäischer Ebene und gibt Verbrauchern im Geschäft eine klare Orientierung. Geschäftsführerin Christiane Mösl sieht darin einen doppelten Nutzen: Das Siegel schaffe Vertrauen und erleichtere zugleich die Vermarktung, weil es auf der Verpackung sofort erkennbar mache, dass es sich um etwas Besonderes handelt.

Strenge Regeln für die Fütterung

Das Herzstück der Heuwirtschaft ist die Fütterung. Im Sommer fressen die Tiere frische Gräser und Kräuter, im Winter Heu. Vergorene Futtermittel wie Silage sind verboten. Alle Anforderungen sind im sogenannten Heumilchregulativ festgeschrieben, einer Produktspezifikation, die auch Grundlage des Zertifizierungsprogramms in Europa ist. Kontrolliert werden die Bauernhöfe ebenso wie die Verarbeiter. Das sorgt für Verlässlichkeit entlang der gesamten Kette, vom Stall bis ins Supermarktregal.

Mehrwert für die Höfe

Für die Betriebe zahlt sich die Auszeichnung aus. Obmann Karl Neuhofer verweist auf den Heumilchzuschlag, durch den im vergangenen Jahr ein Mehrwert von 23 Millionen Euro erwirtschaftet wurde. Das Siegel gebe den Höfen zudem eine langfristige Perspektive, besonders in der kleinstrukturierten Landwirtschaft.

Nachfrage steigt weiter

Auch am Markt läuft es gut:

  • 532 Millionen Kilogramm Heumilch wurden im vergangenen Jahr in Österreich verarbeitet.
  • Der Umsatz im heimischen Lebensmittelhandel stieg um sechs Prozent auf rund 179 Millionen Euro.
  • Die gesamte Menge wurde wie schon in den Vorjahren zu 100 Prozent vermarktet.
  • Die Markenbekanntheit liegt in Österreich bei über 90 Prozent.

Politik betont Anpassung an den Klimawandel

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig nennt die Heuwirtschaft eine rot-weiß-rote Erfolgsgeschichte. Sie verbinde regionale Lebensmittel und Wertschöpfung für Familienbetriebe mit dem Erhalt von Wiesen, Almen, Artenvielfalt und Kulturlandschaft. Der Dürresommer dieses Jahres zeige, dass sich die Landwirtschaft noch besser an veränderte Bedingungen anpassen müsse. Er fordert rasche Entlastung in der aktuellen Krise und eine langfristige Strategie für widerstandsfähige Betriebe, gestützt auf Forschung, digitale Werkzeuge, Klimawandelanpassung und eine starke Gemeinsame Agrarpolitik.

Schutz über Grenzen hinweg

Rupprechter, heute Bundesminister a. D., unterstreicht die Bedeutung des europäischen Rahmens. Seit 1992 schützt die EU Erzeugnisse mit besonderen geografischen oder traditionellen Merkmalen. Für die Heumilch bedeute das, dass die Vorgaben europaweit gelten. Der beste Beweis für erfolgreiche Agrarpolitik sei, wenn aus Schutz Wertschöpfung werde und aus Tradition eine Perspektive für die nächste Generation.

Die ARGE Heumilch in Zahlen

Die ARGE Heumilch ist Europas führende Organisation für Erzeugung und Vermarktung von Heumilch g.t.S. Sie vertritt mehr als 6.500 Lieferanten und 63 Verarbeiter aus Österreich, Bayern und Baden-Württemberg. Der Bio-Anteil liegt bei 40 Prozent und hat sich seit dem Start der Initiative 2009 beinahe verdoppelt. Die Heuwirtschaft ist zudem von der FAO als landwirtschaftliches Kulturerbe von globaler Bedeutung anerkannt.