Wer es nicht glaubt, soll es nicht glauben
Dass das Jahr 2026 für die Landwirtschaft bisher mehr als herausfordernd war, liegt auf der Hand. Der Bauernbund will Lösungen anzubieten. Rund um die Dürrehilfen läuft ein Kampf um die Deutungshoheit mit der FPÖ.
„Das aktuelle Ansatz beim Dürrepaket ist ein intelligenter Mix von Hilfen für betroffene Betriebe“, meinte Bauernbund-Präsident Georg Strasser beim „agrarpolitischen Herbstauftakt“ seiner Organisation zu den Maßnahmen rund um die Erlassung von Sozialversicherungsbeiträgen, Zinszuschüssen bei Krediten und der Anhebung bei den Zuschüssen für die Prämie bei der Hagelversicherung. „Ich suche Länder in ganz Europa, die ähnliche Summen, ähnliche Treffsicherheit und ähnliches Tempo wie wir an den Tag gelegt haben, nur ich finde sie nicht“, meinte Strasser.
In den parteipolitischen Diskussionen sei überhaupt nicht selbstverständlich gewesen, dass 240 Millionen Euro zustande kommen, ergänzte der ebenfalls im Bauernbund beheimatete Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger. Finanzminister Marterbauer habe zunächst gemeint, man solle einfach die 50 Millionen Agrardiesel nehmen und neu verteilen. Dass es daran Kritik gibt, dass auch Nicht-Versicherten geholfen wird, versteht der Vorarlberger. „Ich bekenne mich dazu, dass nur die auf der Fläche Geld bekommen, die sich versichert haben.“ Das Paket diene aber dazu, auch längerfristige Schäden, etwa durch die Reduktion der Bestandszahlen in der Rinderwirtschaft abzufedern. „Das heurige Jahr zeigt, dass wir das System der Hagelversicherung nachjustieren müssen. Wir werden darüber reden müssen, ob es für eine so lange, noch nie dagewesene Trockenheit entspricht.“
Wenn jemand wisse, wie man unter den Landwirten Geld verteilt, so dass alle zufrieden sind, solle er ihm das sagen, lässt der Kämmerer an das Sprichwort mit den drei Bauern unter einem Hut denken. Einer derjenigen, die nicht mit den Bauernbündlern unter eine Kopfbedeckung gesteckt werden möchten, ist der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Peter Schmiedlechner. „Die Erleichterungen bei der SV haben einen faden Beigeschmack. Wir erlassen den Bauern 140 Millionen an Beiträgen, nehmen aber gleichzeitig der SV in den kommenden fünf Jahren jeweils rund 50 Millionen weg“, poltert er. Den Verdacht, dass der Gutteil der Entlastungen für die Landwirtschaft damit ein Nullsummenspiel ist, haben die Blauen zuletzt sehr erfolgreich genährt. Ihre politische Erzählung hat sich an den Stimmtischen verfestigt. „Wir fordern deshalb echte Hilfen statt Dürrekrediten, wie das Vorziehen der Förderungen von Dezember auf Oktober oder das Aussetzen von Begrünungsverpflichtungen“, so Schmiedlechner. Der Minister habe es verabsäumt, Maßnahmen zu setzen, die keinen Cent gekostet hätten.
Bei Georg Strasser klingt Zorn durch, wenn er auf diese Aussagen des FPÖ-Agrarsprechers angesprochen wird: „Er hat 210 Millionen gefordert, wir bringen 240 Millionen. Die These, dass wir uns als Bauern das Dürrepaket selbst zahlen, ist einfach falsch.“ Das predige man auf den Bauernbund-Versammlungen. „Wer es nicht glaubt, soll es einfach nicht glauben.“ Unbestritten ist jedenfalls, dass es auch innerhalb der Bauernschaft bei den nächsten Wahlen eine Stimmenwanderung von schwarz zu blau geben könnte. Bei den Parteiveranstaltungen ist jüngst eine stärkere Betonung des ländlich-agrarischen erkennbar. FPÖ-Zampano Herbert Kickl tourt neuerdings mit „Gemüse-Traktoren“ durch die Bundesländer und lässt regionale Lebensmittel verteilen. „Wir schrammen in nahezu jeder Umfrage knapp an der 40 Prozent-Marke“, erklärt Peter Schmiedlechner, „denn wer seine Ernährung nicht selbst sicherstellen kann, macht sich abhängig von internationalen Märkten, globalen Lieferketten und fremden Interessen.“

