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Bauern retten Wiener Zucker und Fabriksjobs

Geschlossene Geschäfte und geschlossene Grenzen während der Coronapandemie zeigen unserer Gesellschaft deutlich, wie wichtig die Selbstversorgung mit heimischen Lebensmitteln ist. Erstmals seit Jahrzehnten sehen die Konsumenten, wie schnell Rollbalken heruntergelassen und Supermarktregale leer sein können. Und wer die Regale füllt, wer das tägliche Brot herstellt und wer im Stall und am Acker steht, wenn internationale Warenströme zum Erliegen kommen. Es sind die Bäuerinnen und Bauern. Die Sicherheit, auch morgen noch frische Lebensmittel zu haben, bieten heute nur die heimischen Familienbetriebe.
Aber nicht nur das, neben der Corona­krise gibt es nach wie vor die Klimakrise, die auch direkte Auswirkung auf die heimische Landwirtschaft hat. Mit extremen Wetterereignissen und Schädlingen, die ganze Ernten vernichten, wenn man den bäuerlichen Betrieben nicht die richtigen und wichtigen Mittel gegen sie in die Hand gibt. Wozu das führen kann, wurde Österreich bei den Zuckerrüben vor Augen geführt. De facto war die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf schon zugesperrt. Dass sie wieder aufgesperrt wird, ist ein Bekenntnis zur heimischen Rübe und zum heimischen Zucker. Und sie ist ein Bekenntnis zu zig Industriearbeitsplätzen. Den Dank dafür haben die Bäuerinnen und Bauern verdient, die mit der kontrahierten Fläche die Grundlage für den Beschluss der Agrana bilden, dass die Fabrik weiterbetrieben wird und die Arbeiterinnen und Arbeiter weiterhin einen Job haben. Eigentlich ist das ja ein fast schon historisches Zeichen. Früher hieß es in einem alten Streik-Lied der Gewerkschaften: „Alle Räder stehen still, wenn unser starker Arm es will.“ Heute sind es die Bäuerinnen und Bauern, die die Räder in der Zuckerfabrik am Laufen halten und die Arbeitsplätze absichern. Oder anders formuliert: Es sind die Bauern aus Niederösterreich und Oberösterreich, die den Wiener Zucker und die Jobs retten.
Dass die Betriebe das nicht aus Jux und Tollerei machen, sondern sich sehr genau überlegen, auf welche Kulturen sie setzen und ob es noch einmal Sinn macht, Rüben anzubauen, ist leider nicht jedem klar. Und dass sie dafür auch die notwendigen Werkzeuge benötigen. Wenn Schädlinge die Ernten vernichten, dann braucht es eben die notwendigen Pflanzenschutzmittel. In den Bundesländern, die diese Mittel gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium freigegeben haben, ist die Rübenanbaufläche wieder angestiegen. In Wien und im Burgenland war das Gegenteil der Fall. Weniger Werkzeuge für die Bauern hätte aber auch weniger Rüben, weniger heimischen Zucker und schlussendlich auch weniger Arbeitsplätze bedeutet. Das wäre nicht nur für die Familien, die an diesen Jobs hängen, fatal gewesen, sondern auch für die Umwelt. Denn wenn der Zucker nicht bei uns produziert wird, dann wird er aus anderen Erdteilen importiert, wo dafür sogar der Regenwald niedergebrannt wird. Das kann niemand wollen!
Wer eine nachhaltige und naturnahe Lebensmittelproduktion vor der Haustür haben möchte, der muss den Bauern auch die Werkzeuge dafür geben. Und das ist nun einmal der integrierte Pflanzenschutz, unter höchsten Standards und Auflagen. Alles andere führt zu mehr Importen und Umweltschäden und weniger Selbstversorgung, weniger Wertschöpfung und weniger Arbeitsplätzen.


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