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Direktvermarkter-„Olympiade“ einmal anders

Auch wenn die Pandemie uns allen zu schaffen macht, auf den Nerv geht und vielerorts für Einschränkungen, Verluste und Leid sorgt, so stärkt sie doch auch die Wertschätzung für das Regionale, das Heimatliche, das Vertraute und Ursprüngliche. Das merkt man beim Blick aus dem (Traktor-) Fenster. Selten waren mehr Ausflügler auf den Wegen unterwegs, mehr Radfahrer auf den Straßen und mehr Besucher in unserer Natur. (Selten landete auch mehr Müll im Straßengraben und am Wegrand, auf den Feldern und Wiesen.) Alleine in den Natur- und Nationalparks stieg die Besucheranzahl vergangenes Jahr um 20 Prozent. Wenn die Jumbojets am Boden bleiben, werden plötzlich Ausflugsziele in der eigenen Region interessant. Oder wie Goethe sagt: Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah! Auch für bäuerliche Produkte gilt das. Warum Avocados und Ananas rund um die halbe Welt transportieren, wenn es auch heimisches Obst gibt? Warum Rindfleisch aus Argentinien importieren, wenn wir selber beste Qualität haben? Und warum Erdäpfel aus Ägypten in die Supermarktregale legen?
Das dürfte zwar noch nicht bei allen, aber immerhin bei mehr Menschen als zuvor angekommen sein, denn die Direktvermarktung ist während der Pandemie um ein Viertel gestiegen. Im zweiten Quartal 2020, also während des ersten scharfen Lockdowns, haben unsere Ab-Hof-Läden ein Plus von 41 Prozent verzeichnet. Qualität, Vertrauen und Nähe findet man eben nur beim Bauern ums Eck.
Traditionell konnte man die vielfältigen regionalen Produkte im Frühjahr immer in Wieselburg verkosten, bei der „Ab Hof Messe“ werden die besten Betriebe vor den Vorhang geholt. Da aber Messen und Großveranstaltungen natürlich immer noch nicht möglich sind, wurden die Prämierungen der besten Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter kurzerhand ins World Wide Web verlegt. Denn wir wollten die Chance nicht verstreichen lassen, den Produzentinnen und Produzenten eine Bühne zu bieten und ihre Produkte auszuzeichnen. Ein kleiner Virus hält die bäuerlichen Betriebe nicht auf, die beste Qualität zu erzeugen. Dann lassen wir uns auch nicht aufhalten, ihre Leistungen der ganzen Welt zu zeigen. In Summe wurden knapp 6.000 Produkte von über 1.500 Produzenten bei der „Olympiade“ der Direktvermarktung eingereicht, das zeigt die riesige Vielfalt und Qualität. Rund 140 Betriebe wurden in elf Kategorien prämiert. Von Hochprozentigem wie Schnäpsen, Likören und Most über Fruchtsäfte und Speise­öle hin zu Produkten für die perfekte Hofjausenplatte: Blutwürste, Brot, Süßwasserfische, Teigwaren, Käsesorten und Honig. Diese Produktvielfalt zeigt ganz deutlich: Die Region hält alles für einen gedeckten Tisch bereit. Top-Qualität gibt es vor der Haustür, in Österreich gibt es 36.000 Direktvermarktungsbetriebe, alleine 8.500 davon in Niederösterreich. Das schätzen die Menschen immer mehr.
Die Pandemie mit geschlossenen Grenzen und leeren Supermarktregalen hat klar vor Augen geführt, wie wichtig die Selbstversorgung mit heimischen Lebensmitteln ist. Die Menschen haben gesehen: Die Landwirtschaft ist nicht nur systemrelevant, sie ist relevant für das Überleben. Denn die Supermärkte stellen zwar Regale auf, aber die Bäuerinnen und Bauern füllen sie mit frischen regionalen Lebensmitteln. Im Handel genauso wie im eigenen Ab-Hof-Laden. „Frühkartoffeln“ aus Ägypten braucht es da wirklich nicht.


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