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Green Deal ist Bedrohung für Klima, Konsumenten und Bauern

Schon bei der Wintertagung 2021  des Ökosozialen Forums haben wir der EU-Kommission aufgezeigt, was sie mit dem Green Deal anrichten wird. Nämlich weniger Produktion, weniger Selbstversorgung und dafür mehr Importe. Also Schaden für Bauern, Konsumenten und Klima gleichzeitig.
Was wir der Europäischen Kommission im Jänner erstmals aufzeigten, beweist nun sogar ihre eigene Forschungsstelle in Brüssel. Die Folgenabschätzung zeigt, dass die Auswirkungen des Green Deals eine Bedrohung für die kleinstrukturierten Familienbetriebe wären: Beispielsweise würden 15 Prozent weniger Getreide und Ölsaaten, 15 Prozent weniger Rind- und Schweinefleisch und zehn Prozent weniger Milch produziert werden. Getreide würde um rund acht Prozent, Rindfleisch um etwa 25 Prozent und Schweinefleisch um etwa 43 Prozent teurer. Die Einkünfte für die bäuerlichen Familien würden massiv sinken, im Getreidesektor sogar um mehr als ein Viertel! Aufgrund der sinkenden europäischen Produktion ist klarerweise mit einem höheren Import von Lebensmitteln aus dem EU-Ausland zu rechnen. Denn irgendjemand muss ja die wachsende Weltbevölkerung auch ernähren. Wir hätten dann also stillgelegte Äcker in Europa, Blühstreifen durch den ganzen Kontinent, aber dafür Kondensstreifen über den halben Globus, weil unsere Lebensmittel aus China oder Südamerika kommen.
Dabei sind unsere bäuerlichen Betriebe Vorreiter im Klimaschutz, und das seit Jahren. Die Land- und Forstwirtschaft hat es als einziger produzierender Sektor geschafft, die Emissionen in den letzten 30 Jahren um 14 Prozent zu senken, bei gleichzeitig mehr Produktion und mehr Nachhaltigkeit. In anderen Erdteilen hingegen wird auf Teufel komm raus gewirtschaftet, ohne Umwelt- und Naturschutz, ohne Sozial- und Tierschutzstandards. Das Gegenteil muss unser Ziel sein, wir müssen die Produktion am eigenen Kontinent schützen und stützen, denn nirgendwo wird so nachhaltig produziert wie bei uns. Unser Kontinent muss im Stande sein, sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen. Jederzeit, und noch viel mehr in Zeiten der Krise. Die Pläne des Kommissions-Vizepräsidenten Timmermans gehen hier aber in die komplett falsche Richtung. Denn eine Stilllegung von Flächen heißt auch eine Stilllegung von Produktion und damit weniger heimische Lebensmittel. Und weniger Produktion am eigenen Kontinent bedeutet gleichzeitig mehr Importe aus anderen Weltteilen, und das obwohl nirgendwo so umweltgerecht produziert wie in Europa. Das kann niemand wollen. Oder mit den Worten einer Bäuerin: Erdbeeren und Rindfleisch müssen nicht fliegen.
Die Gefahr ist groß, dass die Vergessenskurve steil ist. Vor einem Jahr waren die Regale leer, und auch die Coronapandemie wird wieder endgültig vorübergehen. Aber auch dann muss immer noch gelten: Wir brauchen eine starke Landwirtschaft und damit eine gesicherte Versorgung. Mehr Eigenversorgung, mehr Klimaschutz. Das schaffen nur die Bäuerinnen und Bauern.


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