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Leere Regale: Versorgungssicherheit gibt es nicht zum Nulltarif

Am 13. März 2020 wurde in Österreich der erste Lockdown zu Beginn der Pandemie angekündigt. Viele Menschen erinnern sich noch gut an die Bilder: übervolle Einkaufswägen, Hamsterkäufe von Nudeln, Mehl und Toilettenpapier, leere Regale und große Unsicherheit darüber, wie stabil unsere Lebensmittelversorgung wirklich ist. Was damals viele erstmals spürbar erlebt haben, ist für uns als Interessenvertretung der bäuerlichen Familienbetriebe seit jeher ein zentrales Thema: Versorgungssicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist das Ergebnis harter Arbeit, verlässlicher Rahmenbedingungen und einer Politik, die den Wert regionaler Produktion erkennt und stärkt.

Auch aktuell erleben wir Zeiten globaler Unsicherheit, diesmal durch Kriege. Dabei wird wieder deutlich, wie verletzlich unsere Versorgungssysteme geworden sind. Geopolitische Spannungen, volatile Energiepreise und gestörte Lieferketten zeigen uns tagtäglich, wie schnell Abhängigkeiten zum Risiko werden können. Wer sich bei Energie schmerzhaft an die Folgen einseitiger Abhängigkeiten erinnert, der darf bei Lebensmitteln nicht denselben Fehler machen. Die Lehre aus den Krisen der vergangenen Jahre ist klar: Regionale Produktion ist kein nostalgisches Ideal, sondern eine strategische Notwendigkeit. Unsere bäuerlichen Betriebe haben in der Pandemie eindrucksvoll bewiesen, was in ihnen steckt. Während vieles stillstand, haben sie gearbeitet, produziert und dafür gesorgt, dass die Menschen im Land täglich mit hochwertigen Lebensmitteln versorgt waren. Diese Leistung darf nicht als selbstverständlich hingenommen werden. Sie ist das Fundament unserer Versorgungssicherheit und dieses Fundament braucht Stabilität. Doch genau hier liegt die Herausforderung. Wenn Lebensmittel zum reinen Lockmittel im Preiskampf werden, wenn Produzentenpreise unter Druck geraten und bäuerliche Arbeit nicht fair entlohnt wird, dann gerät dieses System ins Wanken. Versorgungssicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Wer dauerhaft auf Billig setzt, riskiert, langfristig teuer zu bezahlen – mit wachsender Importabhängigkeit, mit sinkender regionaler Wertschöpfung und letztlich mit einem Verlust an Krisenfestigkeit. Landwirtschaft ist nicht nur einfach ein beliebiger Wirtschaftszweig, sondern Teil unserer Daseinsvorsorge, vergleichbar mit Energie oder Infrastruktur. Es liegt in unserer Verantwortung, diese Stärke zu erhalten und auszubauen. Das bedeutet, die richtigen politischen Weichen zu stellen, faire Preise entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu ermöglichen und den bäuerlichen Familienbetrieben jene Planungssicherheit zu geben, die sie brauchen. Die aktuellen Herausforderungen machen eines deutlich: Wir dürfen die Versorgungssicherheit nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Sie ist ein hohes Gut, das wir nur gemeinsam sichern können – mit Hausverstand, Weitblick und einem klaren Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft. Denn am Ende geht es um nichts Geringeres als die Frage, wie unabhängig und krisenfest unser Land in Zukunft sein will.

NÖ. Agrarlandesrat Stephan Pernkopf