Foto: Gasser

Nelly aus dem Märchenbuch

Die Kuh mit der aktuell höchsten Lebensmilchleistung weltweit steht auf dem Spitalerhof in Kärnten. STEFAN NIMMERVOLL hat Nelly und ihre Besitzerin Melanie Kacic besucht.

222.713 Kilo Milch. Nirgendwo auf der Erde gibt es eine noch lebende Kuh mit einer höheren Gesamtleistung als die Holsteinkuh Nelly aus dem beschaulichen Drautal. Seit beinahe 16 Jahren steht sie im Stall von Waltraud und Hermann Gasser in Pobersach in der Gemeinde Paternion und war dort immer schon eine absolute Ausnahmeerscheinung. In ihrem Heimatbundesland ist Nelly mit einer Spitzenlaktation von 19.693 Kilo und einem Tagesgemelk von 82 Litern schon länger für ihre Leistungsdaten bekannt. Auf ihre alten Tage bringt es die Kuh jetzt sogar noch zu weltweitem Ruhm, seit Fachjournalisten sie als Nummer Eins aufs Podest gehoben haben.

„Schon mein Opa war vor über 60 Jahren einer der Pioniere der Rasse Holstein in Kärnten und Gründungsmitglied des Kärntner Holsteinverbandes“, erzählt Melanie Kacic, die Tochter des Hauses. Mit dem Import der ersten Kalbinnen aus Deutschland stellte er von Pinzgauern auf Schwarzbunte um und entwickelte den Betrieb und die Herde ständig weiter. Seit 47 Jahren wurde kein fremdes Tier mehr zugekauft. Bei der Stierauswahl wurden die besten kanadischen und italienischen Vererber eingesetzt. So ist der Vater von Nelly der Italiener Mtoto, der die meisten 100.000-Liter-Kühe in Kärnten hervorgebracht hat. Der Stalldurchschnitt beträgt in den letzten zehn Jahren 12.686 Kilo Milch bei 3,73 % Fett und 3,31 % Eiweiß. ,,Somit zählt unsere Herde seit vielen Jahren zu den leistungsstärksten in Österreichs“, so die Jungbäuerin. Einige Jahre wurde sogar drei Mal am Tag gemolken. In diese Zeit fällt auch der Bestwert von Nelly, den sie in ihrer fünften Laktation erreichte.

Trotzdem stimmt das Bild einer überzüchteten Hochleistungsherde, das mancher bei derartigen Zahlen vielleicht zum Vorwurf machen könnte, laut Waltraud Gasser nicht. Die 50-köpfige Herde zeichnet neben der Milchmenge auch eine hohe Lebensleistung aus. 27 Kühe haben bereits mehr als 100.000 Kilo Milch Lebensleistung erreicht.„Wenn man mit Kühen in diesem hohen Leistungsbereich arbeitet, müssen Fütterung, Haltung und Herdenmanagement zusammenstimmen“, unterstreicht die Bäuerin. Die Milchkühe werden mit einer TMR, bestehend aus Grassilage, Maissilage, Heu, Stroh, Sojaschrot, Rübenschnitzeln, Körnermais und Mineralstoffen gefüttert, die für 40 Kilo Tagesgemelk berechnet ist. Die Rekordkuh Nelly sei in all den Jahren nie krank gewesen. Auch dass Schwarzbunte nicht für die Alm geeignet sind, widerlegt die Familie. Die Kalbinnen verbringen den Sommer auf der eigenen Alm oberhalb des Kärntner Weißensees.

In den letzten Jahren sind Parameter wie die Inhaltsstoffe und Fitness bei der Stierauswahl wichtiger geworden. Die Milchleistung wurde etwas zurückgenommen. „Wir wollen Kühe die nicht zu groß sind, viel Futter aufnehmen und über viele Jahre gesund Milch produzieren können “, meint Melanie Kacic. „60 Jahre Zuchtarbeit weiterführen zu dürfen, macht mich natürlich sehr stolz.“ Erfahrung dafür bringt sie trotz ihrer Jugend ausreichend mit: „Schon als Kind habe ich lieber das Stallbuch als ein Märchenbuch gelesen.“ Die Drautalerin ist zudem auch im erst jüngst aus der Fusion zwischen Kärntner Holsteinverband und der Kärntnerrind hervorgegangenen Rinderzuchtverband caRINDthia ZVB aktiv. Als Züchterbeirat für die Rassen Holstein und Jersey kann sie ihre Wissen bei der Stierauswahl und Zuchtarbeit einbringen.

Mit dem Zuchtverband war Melanie Kacic auch schon auf einem ganz besonderen Betrieb in Kanada zu Gast. Auf „La Ferme Gillette“ in der Nähe von Ottawa in Ontario lebte Smurf, eine Kuh, die es Zeit ihres Lebens auf 247.000 kg Lebensleistung brachte. Smurf ist längst den Weg alles Irdischen gegangen. Nelly wird sie aber dennoch nicht mehr einholen. „Wir haben sie nicht mehr besamt, weil sie doch schon eine alte Dame ist“, meint ihre Bäuerin. In ihrer letzten Laktation, mit über 15 Jahren, hat Nelly jedenfalls noch einmal gezeigt, was in ihr steckt. Den Lebensabend darf die Ausnahmekuh auf der Weide und im Stall in Pobersach verbringen. ,,Einige Monate wird Nelly jetzt noch gemolken, dann geht sie in Pension. Wir hoffen dass sie noch lange gesund bleibt, denn so eine Kuh hat man nur einmal im Leben“ meint Familie Gasser stolz.


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