Foto: Kwizda Agro

Kwizda will Pflanzenschutz neu denken

Vor 100 Jahren hat ein Apotheker und Pharmaproduzent aus Korneuburg den Vertrieb des Beizmitels „Abavit“ unternommen. Der Grundstein für Kwizda Agro war gelegt. Heute ist das Unternehmen Marktführer in Österreich.

„Österreich ist der einzige Markt weltweit, in dem nicht einer der Top 3 internationalen Player die Marktführerschaft innehat. Diese liegt nämlich bei Kwizda Agro“, sagte Geschäftsführer Ronald Hamedl nicht ohne Stolz bei einem Gespräch mit Journalisten in Wien. Zunächst hatte man internationale Entwicklungen nach Österreich gebracht und auf die spezifischen Anwendungen hierzulande heruntergebrochen. So hat die Einführung des Herbizids Betanal 1970 den vollständig mechanisierten und handarbeitslosen Rübenanbau ermöglicht. Auch die Sulfonylharnstoffe aus den USA haben die Unkrautbekämpfung verändert. Das Produkt Ally drückte 1989 die Aufwandmengen von mehreren Litern auf wenige Milligramm pro Hektar und veränderte Arbeitsweise, Logistik und Anwendung am Feld.

Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts ist aus dem Familienunternehmen aber auch ein Spezialist mit eigener Forschung, Formulierungstechnik und Produktion geworden. „Wir haben die Wirbelschichtgranulation und die Mikroverkapselung zur industriellen Reife gebracht und bieten sie 24 internationalen Partnern an.“ Mit dem Wildvergrämungsmittel Trico aus Schafwollfett ist man bis in die USA aktiv. „Wir bedienen die globalen Nischen. Unser Ziel ist es, bewährte Technologien verantwortungsvoll in neue Märkte zu bringen“, erklärte Hamedl.

Aktuell arbeitet Kwizida Agro demnach verstärkt an der Entwicklung neuer Produkte für den biologischen Pflanzenschutz und von Bioziden. So sei man am Weg zu einem Kupferprodukt, das nur mehr mit einem Drittel der Aufwandmenge auskomme. „Chemisch-synthetische Wirkstoffe werden das Rückgrat des Pflanzenbaus bleiben. Auch im konventionellen Weinbau werden wir aber zum Beispiel drei Mal mit einem biologischen Mittel spritzen und erst dann situativ mit Chemie.“ Reduktionsziele würden damit schrittweise erreicht und nicht über Verbote und ambitionierte Ziele binnen kurzem Zeitraum. „Dafür bekommt die Industrie jetzt wieder ein Ohr bei den Behörden“, meinte Hamedl.

Nicht immer hat über der Zentrale in Leobendorf aber die Sonne geschienen. Der Pflanzenschutzmittel-Störfall im Jahr 2010 gehört ebenso zur Unternehmensgeschichte wie die Innovationen und Produkteinführungen. Dabei wurde das Grundwasser massiv kontaminiert. „Dieses Erlebnis hat uns stark geprägt. Kwizda Agro hat seither 12 Millionen Euro in die Sanierung investiert und konnte eine Entfrachtung von 99,9 Prozent erreichen.“ In Fluss ist auch der Markt in Österreich, der für Kwizda Agro binnen acht Jahren von einem Umsatz von 120 auf knapp 100 Mio. Euro zurückgegangen ist. Hamedl: „Das klassische Trockengebiet weitet sich Westen aus. Da werden weniger Fungizide gebraucht.“ Als Gegenbewegung seien vermehrt Insektizide notwendig. In Zukunft werde es wichtig sein, die Balance zwischen Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit zu finden. „Unser Ziel ist, Technologie zu entwickeln, die den Einfluss auf Natur und Mensch reduzieren.“

www.kwizda-agro.at