GMEINER MEINT

Foto: Daniela Koeppl

Das – vielleicht – Gute an Leopoldsdorf

Es werde eine „gemeinsame, überparteiliche Kraftanstrengung“ gefordert, hieß es in den Medien. Es gelte, „eine Katastrophe doch noch abzuwenden“. Eine Lösungsmöglichkeit sei, den Bauern mit Flächenförderungsmodellen unter die Arme zu greifen. Die Mitarbeiter der Fabrik seien schließlich hochspezialisierte Facharbeiter, für sie und deren Familien wäre das auch eine persönliche Katastrophe, wenn deren Lebensgrundlage verloren ginge. Mit dem Aus der Fabrik würden der Gemeinde bis zu 300.000 Euro an Kommunalsteuern oder fünf Prozent ihrer Einnahmen verloren gehen, klagte der Bürgermeister. Und man müsse wohl Leistungen einschränken.
Man staunt, sind das doch nicht Zitate aus bäuerlichen Kreisen und Medien und auch nicht vom Bauernbund und von türkisen Standesvertretern und Politikern. Nein, es sind allesamt Zitate von gestandenen SPÖ-Politikern. Vom Bürgermeister von Leopoldsdorf und von Landtagsabgeordneten aus Niederösterreich, die sich da nicht nur für ihre eigene Klientel, die dort Beschäftigten, sondern auch für die Bauern und die Zuckerfabrik einsetzen. Dem Vernehmen nach bearbeitet inzwischen sogar der niederösterreichische SPÖ-Landeschef seinen burgenländischen Kollegen und Landeshauptmann Doskozil, sich nicht mehr länger gegen eine Notfallzulassung der Neonics in Österreichs östlichstem Bundesland querzulegen, auf dass auch dort wieder mehr Hektar für Leopoldsdorf und die Erhaltung der Arbeitsplätze zusammenkommen.
Wie oft hätten sich die Bauern in den vergangenen Jahren gewünscht, dass die SPÖ-Politiker, aber auch Politiker anderer Parteien und auch die breite Öffentlichkeit so um die Bauern bemühen, wenn diese um ihre Höfe fürchten und wenn dort Arbeitsplätze bedroht sind, weil die Bauern mit den oft überzogenen Auflagen, mit der überbordenden Bürokratie und mit dem Wettlauf um immer niedrigere Preise nicht zurechtkommen. Wie sehr hätte man sich oft gewünscht, dass man erkennt, dass es auch auf den Bauernhöfen eine persönliche Katastrophe ist, wenn die Lebensgrundlage verloren zu gehen droht.
Davon freilich war bisher nur ganz selten etwas zu hören, wenn die Standesvertreter und die Politiker auf die schwierige Situation der Bauern aufmerksam machten, auf die Folgen von überzogenen Forderungen und auf die Einschränkungen. Da galten die Arbeitsplätze auf den Bauernhöfen nie viel, und von persönlichen Katastrophen dort und verlorenen Lebensgrundlagen wollte man gleich gar nichts hören.
Vielleicht hat die Diskussion um die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf ja auch etwas Gutes, zeigt sich doch dort exemplarisch, wie viel an der Landwirtschaft hängt und welche Folgen das haben kann, wenn man meint, der Landwirtschaft alles aufbürden zu können. Vielleicht sieht man es jetzt anders, wenn man strengere Tierhaltungsvorschriften oder, wie jetzt die EU, eine markante Reduktion, Düngung und Pflanzenschutz oder eine Stilllegung von Ackerflächen, Grünland und sogar Wäldern fordert.
Vielleicht sorgt man sich in Zukunft ja wirklich auch um die Bauern und die Arbeitsplätze auf ihren Höfen, genauso wie um die Arbeiter und die Arbeitsplätze in den Unternehmen, in denen die Produkte der Bauern verarbeitet werden.


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