GMEINER MEINT

Foto: Daniela Koeppl

Die Bauern und ihre Nasen

Wie in der Sendung „Wer zerstört Österreich“ im Privatsender atv die Landwirtschaft vorgeführt und dargestellt wurde, ließ die Wogen bei den Bauern hochgehen. Die Empörung war groß. Sich in der Öffentlichkeit darüber aufzuregen und gar den Sender zu attackieren, ist freilich zweischneidig, ist doch die Wahrscheinlichkeit sehr viel größer, dem Sender in die Hände zu spielen und für mehr Quote zu sorgen, als die Dinge ins Lot gerückt zu bekommen.
Die Bauern müssen wohl lernen, damit zu leben. Das gilt übrigens nicht nur für Privatsender wie atv, sondern auch für den ORF, der die Landwirtschaft oft auch nur aus einschlägigen Perspektiven zeigt. Das sei vor allem jenen ins Stammbuch geschrieben, die in den Social-Media-Kommentaren gemeint haben, die atv-Sendung sei „mit ein Grund, die ORF-Gebühren nicht abzuschaffen“ und damit politisches Kleingeld zu machen suchten.
Im Übrigen sollten sich die Bäuerinnen und Bauern selbst an den Nasen nehmen. Denn im gegenseitigen Schlechtreden stehen sie oft in Qualität und Sachlichkeit dem um nichts nach, was sie an diesem atv-Beitrag so übel gefunden haben. Und wenn jemand sagen würde, darin seien sie  gar einsame Spitze, würde man auch nicht nein sagen.
In den Bauernstuben werden wohl viele vor dem Fernseher beifällig genickt haben, wie da der, zugegebenermaßen ziemlich unglückselige Schweinemäster vorgeführt wurde und wie der Greenpeace-Pressesprecher und VGT-Aktivisten die Landwirtschaft anschütteten. Auf Facebook fanden sich prompt Meldungen von Bauern wie „Schweine auf Vollspaltenboden ohne Einstreu, Getreidefelder ohne Unkraut und ein Traktor, in den die ganze Familie rein passt – ich wundere mich nicht über so eine Berichterstattung“.
Man kennt das. Wenn sich Biobauern als die besseren Bauern fühlen, und wenn sie von konventionellen heruntergemacht werden. Wenn sich Bauern in den Bergen darüber wundern, dass Bauern in anderen Regionen überhaupt Probleme haben können. Und wenn für die Bauern dort nichts anderes als Mickey- Maus-Landwirtschaft ist, was in den Bergen gemacht wird, auf die man ohne Weiteres verzichten könnte, weil sie nur den Markt belastet.
Das gegenseitige Verständnis für die Arbeit und für die Probleme, die man dabei haben kann, ist bei den meisten Bauern rasch enden wollend. Da fehlt es oft an gegenseitigem Respekt und am Bemühen, den anderen anzuerkennen. Da ergeht man sich lieber in Mutmaßungen, als dass man etwas anerkennt. Und gar nicht davon zu reden, wenn dann auch noch der Neid ins Spiel kommt, auf den sich viele Bauern ganz besonders gut verstehen. Da zuzuschauen und in einem solchen Milieu zu leben, ist mitunter schmerzhaft. Und es kränkt.
Was macht es für die Bauern so schwer, den anderen und die anderen anzuerkennen? Wieso ist Wertschätzung oft so schwer möglich – das, was man sonst so gerne von der Gesellschaft einfordert?
Wie gespannt die Lage ist, zeigt sich gerade in diesen Monaten wieder rund um die Verhandlungen um die EU-Agrarreform. Mehr denn je scheint es diesmal um Berg gegen Tal, um Bio gegen Konventionell, um Ost gegen West und um Körndl- gegen Hörndlbauern zu gehen.
Dabei sollte es um alle Bauern gehen.  Aber das wollen wohl vor allem viele Bauern nicht.


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