GMEINER MEINT

Foto: Daniela Koeppl

Beamte auf dem Traktorsitz

In Österreich sei die öffentliche Diskussion über die Landwirtschaft „sehr von Romantik getrieben“, meinte kürzlich die Landwirtschaftsministerin. Da ist ihr nur beizupflichten. Das freilich gilt auch für die Diskussion innerhalb der Landwirtschaft, respektive für die agrarpolitische Diskussion. Auch sie scheint, schaut man sich die Forderungen rund um die EU-Agrarreform und das ÖPUL an, durchaus von Romantik getrieben zu sein. Im Eifer helfen zu wollen, im Streben um Stimmen und freilich oft genug auch, um die eigene Existenz zu sichern, übersieht man, wie sehr die Dinge in der Landwirtschaft und in der Agrarpolitik längst aus dem Lot geraten sind.
Schaut man genau hin, wird schnell klar, dass die Agrarpolitik über die Jahre ein Konstrukt geworden ist, das mit der Realität immer weniger zu tun hat. Vor allem kann sie all den Bemühungen zum Trotz vielen Bauern kaum mehr Perspektiven bieten.
Im Schnitt machen die Förderungen bereits 70 Prozent des Einkommens aus. Schlimm genug. Noch besorgniserregender ist, dass bei 60 Prozent der Bauern die Förderungen höher sind als das Einkommen, das ihnen bleibt, wie die Bundesanstalt für Agrarwirtschaft errechnete. Der Nettoumsatz dieser Bauern liegt unter 40.000 Euro, das Einkommen, das sie erzielen, beträgt trotz Ausgleichszahlungen und Förderungen in der Höhe von 13.600 Euro nur magere 7.740 Euro. Im Klartext: Sechs von zehn österreichischen Bauern rackern das ganze Jahr über, um von 13.600 Euro, die ihnen AMA und EU aufs Konto überweisen, 7.750 Euro als Einkommen zu retten.
Freilich kann man sagen, dafür wird ein Beitrag zur Sicherung der Lebensmittelversorgung und Landschaftserhaltung geleistet und werden auch Arbeitsplätze in der vor- und nachgelagerten Wirtschaft gesichert. Man kann das aber auch Geldvernichtung nennen, Vernichtung von Steuergeldern gar.
Darüber freilich mag niemand reden. Schon gar nicht in der Landwirtschaft. Auch nicht darüber, dass vor dem Hintergrund der obigen Zahlen sechs von zehn Bauern nichts anderes sind als Beamte auf dem Traktorsitz, die völlig am Tropf des Staates hängen und ihm mit Haut und Haar ausgeliefert sind.
Das soll freilich keine Häme sein, sondern aufrütteln. Es braucht ganz andere Antworten als die, die derzeit die Diskussion bestimmen. So verständlich die Forderung nach höheren Förderungen für kleine Betriebe ist, eine tragfähige Lösung für die Zukunft kann das nicht sein, treibt sie die Bauern nur noch mehr in die Abhängigkeit von öffentlichen Geldern. Nur Zyniker sagen, bei der Müllabfuhr oder bei Lehrern sei das nicht anders.
Bauern verstehen sich anders. Darum braucht es andere Ansätze, zumal das Gros dieser Betriebe am öffentlichen Tropf auch im Nebenerwerb bewirtschaftet wird und die Preise sich nicht über Nacht verdoppeln werden. Neue Ansätze braucht es auch bei der Förderung, die nach Ansicht von Experten zu sehr auf klassische Produktionsformen abzielt und sich kreativen Lösungen verweigert.
Es ist hoch an der Zeit, sich Fragen wie diesen zu widmen. Viel zu lange schon wurde das verabsäumt. Auch weil sich die Agrarpolitik in den vergangenen Jahren allein auf das Aufstellen von Geldmitteln für die Bauern reduzierte.


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