GMEINER MEINT

Foto: Daniela Koeppl

„Normal oder mit Fleisch?“ – eine Zäsur

Die Plakattafeln und Inserate von „Burger King“, auf denen links und rechts je ein Burger zu sehen ist, sind breit und grün. Die Frage, die dazwischen gestellt wird, muss in der Landwirtschaft die Alarmsirenen auslösen. „Normal oder mit Fleisch?“, heißt es da. Und: „Bei uns ist Fleisch keine Selbstverständlichkeit mehr.“ Erst­mals wird damit in der Werbung Fleisch als „nicht normal“ punziert. So weit ging bisher noch kein Anbieter. Es ist eine Zäsur.
Auch wenn angesichts einer solchen Werbung vielen Bauern die Zornesröte ins Gesichts steigen mag – sie ist die Speerspitze eines Trends, dem sich die Landwirtschaft nicht mehr länger verschließen darf. Fleisch ist in immer breiteren Kreisen „keine Selbstverständlichkeit mehr“. Die Forderung nach besserer Kennzeichnung oder sofortiger Einführung eines Bezeichnungsschutzes für Fleisch mögen verständlich sein, als Strategie, mit diesem Megatrend zu Ersatzprodukten, der auch die Milchbauern empört, damit zurechtzukommen, greifen sie wohl viel zu kurz – auch wenn es sich freilich in die Gewohnheit der Landwirtschaft fügt, sich in den eigenen Sack zu lügen, so als könnte man auf diese Weise unangenehme Trends und Entwicklungen stoppen. Jüngst lieferte selbst der neue Landwirtschaftsminister ein eindrückliches Beispiel. In gesetzten Worten redete er davon, dass es gelungen sei, den Agrarstrukturwandel einzudämmen. Statt um 20 Prozent wie zwischen 2000 und 2010 sei die Zahl der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe im vergangenen Jahrzehnt nur mehr um 11 Prozent gesunken. Klingt fraglos gut. Dass sich aber bei den rein landwirtschaftlichen Betrieben, also bei denen, die man gemeinhin unter Bauern versteht, der Strukturwandel in diesem Zeitraum weiter auf mehr als 20 Prozent beschleunigt, sagte er nicht dazu.
Was in der Politik funktionieren mag, führt in der Wirtschaft direkt gegen die Wand. Wer leugnet, dass Fleisch ein Problem hat, betrügt sich selbst. In den vergangenen 20 Jahren ist der Fleischkonsum von knapp 67 Kilo­gramm auf gut 60 Kilogramm pro Kopf gesunken. In Österreich wird immer seltener Fleisch gegessen. Acht Prozent leben mittlerweile bereits als Vegetarier und fünf Prozent als Veganer.
Am meisten litt die Nachfrage nach Schweinefleisch. Seit 2010 hat sich der Pro-Kopf-Verzehr um fast zehn Prozent auf nur mehr knapp 35 Kilo­gramm verringert. Klingt nach nicht viel, bedeutet aber nichts anderes, als dass heute in Österreich um rund 500.000 Schweine weniger gebraucht werden als noch vor zwölf Jahren. Die Eigenerzeugung schrumpfte von 5,2 Mill. auf 4,7 Mill. Schweine. Geht man davon aus, dass ein durchschnittlicher heimischer Mäster jährlich 1.000 Mastschweine liefert, ist durch die Änderung des Ernährungsverhaltens in Österreich für rund 500 landwirtschaftliche Betriebe allein in den vergangenen zehn Jahren die Produktionsgrundlage abhandengekommen.
Das ist nicht nichts und muss den Bauern, denen ohnehin vielerorts breite Ablehnung und Unverständnis entgegenschlägt, zu denken geben. Ehrlichkeit ist gefordert. Vor allem Ehrlichkeit zu sich selbst. Und eine Strategie, wie man mit diesem Trend umgeht. Denn der läuft nicht für Fleisch, wie immer man dazu steht. Man steht an einer Wegscheide.


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