Foto: agrarfoto.com

Bäuerliches Sorgentelefon als Hilfe in der Not

Welch großen Zuspruch das vielfältige Bildungs- und Informationsangebot des Bundesprojekts „Lebensqualität Bauernhof (LQB)“ genießt, wurde heute bei dessen Zehn-Jahres-Jubiläum in Alpbach (Tirol) deutlich. So beweisen Teilnehmerlisten und Anrufstatistiken eindrucksvoll, dass Themen wie das Zusammenleben am Hof, die Work-Life-Balance und die Bewältigung anderer psychosozialer Herausforderungen heutzutage ernstgenommen werden. „Lebensqualität Bauernhof“ ist 2007 auf Initiative der ARGE Bäuerinnen ins Leben gerufen worden und umfasst die drei Hauptsäulen Bildung, bäuerliches Sorgentelefon sowie persönliche Beratung.

Österreichweit wurden im Jahr 2016 insgesamt 204 LQB-Bildungsveranstaltungen mit über 9.300 Teilnehmer(inne)n verzeichnet. Dazu zählten verschiedenste Vorträge, Seminare, Workshops, Arbeitskreise, Kurse, Lehrgänge, Tagungen und Impulsreferate, die sich alle mit persönlichkeitsbildenden sowie psychosozialen Themenstellungen auseinandersetzten. Zu 80% wurde dieses Angebot von Bäuerinnen wahrgenommen und zu 20% von Bauern.

Die zweite LQB-Säule bildet das „bäuerliche Sorgentelefon“, das seit mehr als neun Jahren österreichweit Gespräche mit qualifizierten psychosozialen Fachkräften ermöglicht, die außerdem über einen agrarischen Hintergrund verfügen. Da Anonymität wie auch Vertraulichkeit gewährleistet sind und zum Ortstarif angerufen werden kann, wird die Hemmschwelle für hilfesuchende Bäuerinnen sowie Bauern niedrig gehalten. Ziel der Gespräche ist es, eine Erstentlastung für die Anruferinnen und Anrufer zu schaffen, sie optimal zu informieren sowie auf geeignete bäuerliche Hilfs- und Beratungsangebote zu verweisen. Seit Bestehen dieses Sorgentelefons haben es bereits über 6.000 Bäuerinnen und Bauern in Anspruch genommen. Allein im Vorjahr waren es 750 Personen, davon wiederum 80% Frauen, der Rest waren männliche Anrufer. Der Hauptinformationsbedarf liegt bei Generationenkonflikten (33,3%), Partnerschaftsproblemen und Scheidungsfragen (19,5%) sowie rund um die Hofübergabe/-nahme (8,4%).

Darüber hinaus bieten die Landwirtschaftskammern Kärnten, Niederösterreich, Salzburg und Tirol auch persönliche, psychosoziale Beratungsgespräche an. In diesen vier Bundesländern konnten 2016 insgesamt 1.296 derartige Kontakte (schriftlich, telefonisch, persönlich vor Ort oder in der Kammer) erfasst werden. 77% der Fälle stellten Einzelberatungen dar, 11% Familien- und 8% Paarberatungen. Auch hier suchten Bäuerinnen (69%) häufiger Rat als Bauern (31%). Die Hauptproblemfelder decken sich im Wesentlichen mit denen am bäuerlichen Sorgentelefon.

Weiters produziert das Projektteam unter anderem Imagefilme und Presseberichte, um Gefahren wie etwa Burn-out anzusprechen sowie auf das Bildungs- und Informationsangebot von „Lebensqualität Bauernhof“ hinzuweisen. Die vielfältige mentale Unterstützung nützt schlussendlich sowohl den Bäuerinnen und Bauern als auch der Allgemeinheit, die auf die landwirtschaftlichen Leistungen angewiesen ist. Noch mehr als bisher möchte es das Projektteam in Zukunft schaffen, nicht nur in der weiblichen sondern auch in der männlichen Bauernschaft ein Bewusstsein für das seelische Wohlbefinden zu erreichen.