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Bäuerinnen-Studie 2026: Verantwortung und Last

Der Anteil der Frauen unter den Hofübernehmenden ist in zehn Jahren von 22 auf 34 Prozent gestiegen, und 38 Prozent der befragten Frauen tragen die Hauptverantwortung für die Betriebsleitung. Die neue Studie zeigt aber auch, dass Familie, Haushalt und Pflege weiterhin überwiegend an den Frauen hängen.

Von der Mitarbeit zur Betriebsführung

Frauen prägen die Führung und Weiterentwicklung der österreichischen land- und forstwirtschaftlichen Betriebe zunehmend als zentrale Entscheidungsträgerinnen. Das belegt die Studie „Arbeits- und Lebenssituation der Bäuerinnen in Österreich 2026″, die Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig vorgestellt hat.

Besonders deutlich zeigt sich der Wandel bei der Hofübernahme. Unter den befragten Frauen stieg der Anteil der Hofübernehmenden von 22 Prozent im Jahr 2016 auf rund 34 Prozent im Jahr 2026. Rund 38 Prozent geben an, hauptverantwortlich für den Betrieb zu sein, weitere 31 Prozent führen den Betrieb gemeinsam mit dem Ehepartner. Auch in der Feld- und Außenarbeit sind Frauen stärker eingebunden, hier liegt das Plus gegenüber 2016 bei 3 Prozent. Die Rolle entwickelt sich damit weiter von der Mitarbeit hin zu eigenständiger Verantwortung.

Totschnig bezeichnet die Frauen in der Landwirtschaft als Schlüssel für eine zukunftsfitte Landwirtschaft: Sie führen Betriebe, treffen Entscheidungen, erschließen neue Einkommensquellen und bringen Innovationen auf die Höfe.

Impulse für neue Betriebszweige

Frauen setzen wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Höfe. Häufig federführend sind die Befragten in diesen Bereichen:

  • Bildung, Soziales und Gesundheit: rund 86 Prozent
  • Tourismus: rund 77 Prozent
  • Direktvermarktung: rund 66 Prozent
  • Be- und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte: rund 58 Prozent

Darüber hinaus engagieren sich rund 58 Prozent ehrenamtlich in Vereinen und Organisationen und tragen damit zum Zusammenhalt in den Regionen bei.

Die Kehrseite: Mehrfachbelastung

Die wachsende Verantwortung am Betrieb geht bislang nicht mit einer ausgewogenen Aufgabenverteilung im privaten Bereich einher. Über 80 Prozent der Hausarbeit werden weiterhin von den Frauen selbst erledigt. Im Einzelnen übernehmen die Befragten überwiegend:

  • Reinigung, Wäsche und Aufräumen (85 Prozent)
  • Verpflegung und Essenszubereitung (rund 81 Prozent)
  • Pflege von Angehörigen (78 Prozent)
  • Kinder- und Enkelbetreuung (77 Prozent)

Für die eigene Erholung bleibt dabei wenig Raum. Ein Drittel der Befragten (33 Prozent) hat noch nie mindestens eine Woche Urlaub gemacht. Rund zwei Drittel wünschen sich mehr Zeit für sich selbst und die Partnerschaft, und etwa die Hälfte (rund 51 Prozent) empfindet die Vereinbarkeit von Freizeit und landwirtschaftlicher Tätigkeit als belastend. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Landwirtschaft wird zwar geschätzt, doch Betriebsführung, Erwerbsarbeit, Familie, Haushalt und Pflege mit ausreichend Zeit für sich selbst in Einklang zu bringen, bleibt eine zentrale Herausforderung.

Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger fordert daher: „Mehr Verantwortung am Betrieb muss mit einer zunehmend partnerschaftlichen Verteilung der Aufgaben in Familie und Haushalt einhergehen.“

Handlungsempfehlungen

Die Empfehlungen der Studie setzen an mehreren Punkten an:

  • stärkere soziale, rechtliche und finanzielle Absicherung der Frauen in der Landwirtschaft
  • besserer Zugang zu niederschwelligen Informations-, Beratungs- und Entlastungsangeboten
  • größere Sichtbarkeit ihrer Leistungen

Projektleiterin Theresia Oedl-Wieser von der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) betont, dass neben repräsentativen Daten bewusst auch die Stimmen vieler Frauen eingeflossen sind. Die Anliegen in unterschiedlichen Arbeitsverhältnissen und Lebensphasen seien für eine resiliente und zukunftsorientierte Landwirtschaft bedeutsam.

Aus- und Weiterbildung als Zukunftsinvestition

Josef Moosbrugger sieht in der Studie einen Beleg dafür, dass Frauen in der Landwirtschaft verstärkt auf Aus- und Weiterbildung setzen und sich damit ein hervorragendes Werkzeug für die Zukunft aneignen. Das nütze ihnen selbst, den Betrieben, der Branche und der Versorgungssicherheit Österreichs. Er fordert, die dafür notwendigen Mittel abzusichern und wieder zur Verfügung zu stellen.

Mehr Sichtbarkeit im Internationalen Jahr der Bäuerin

Das Internationale Jahr der Bäuerin 2026 soll die Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft stärker in den Mittelpunkt rücken und über Anerkennung hinaus konkrete Verbesserungen auf den Betrieben, in Beratung und Bildung, bei Förderstellen und in der Interessenvertretung anstoßen. Dazu trägt die Initiative „Bäuerinnen im Fokus – Hof und Land in Frauenhand“ bei, die Totschnig gemeinsam mit den Bäuerinnen Österreich und der Landwirtschaftskammer Österreich ins Leben gerufen hat. Sie zeigt, wie vielfältig die von Frauen geführte Landwirtschaft ist. Die Gemeinsame Agrarpolitik biete laut Totschnig zahlreiche Möglichkeiten, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen.

Zur Studie

Die Studie wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft von BAB Project gemeinsam mit der BAB durchgeführt. Sie wird auf Initiative der Bäuerinnen Österreich seit 1976 alle zehn Jahre erstellt und entstand 2026 erstmals im Rahmen der Evaluierung des GAP-Strategieplans. Sie zeigt Entwicklungen über fünf Jahrzehnte auf.

Gewählt wurde ein Mixed-Methods-Ansatz: An der Online-Befragung nahmen mehr als 2.500 Frauen aus ganz Österreich teil, ergänzt durch Workshops, qualitative Erhebungen und eine Stakeholder-Diskussion. Die Langfassung erscheint voraussichtlich im Jänner 2027. Die Kurzfassung und weitere Informationen finden sich auf www.landwirtschaft.at/baeuerinnen.