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Auslistung für die Kombihaltung?

In Deutschland wird bei Eigenmarken-Milch im Supermarkt künftig die Haltungsform in einem vierstufigen System ausgewiesen. Ohne gewisse Standards droht die Auslistung. Österreich muss seine Kombinationshaltung verteidigen.

Die Aufregung im Süden Deutschlands ist groß: Wer, wie dort oft noch gang und gäbe, die Milch ganzjährig angebundener Kühe vermarktet und damit in die sogenannte Haltungsstufe 1 fällt, droht bald nicht mehr in den Handel liefern zu dürfen. Dasselbe gilt für die zweite Stufe, die mindestens 120 Tage Weide oder einen Laufstall mit geschlossenen Außenwänden umfasst. Auch solche Milchprodukte will zum Beispiel der Diskonter Aldi bis 2030 ausgelistet haben. Der Lebensmitteleinzelhandel wird dann weitgehend nur noch Produkte der Haltungsstufen 3 (Außenklima) und 4 (Premium mit Weidehaltung und Enthornungsverbot) anbieten. Die entsprechenden Informationen sollen für den Konsumenten klar ersichtlich auf der Verpackung ausgewiesen werden. Gefordert wird all das zwar zunächst nur für Eigenmarken. Branchenkenner gehen davon aus, dass viele Molkereien das System für ihr gesamtes Sortiment übernehmen werden.

Für Österreich sind das schlechte Nachrichten, wie der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, VÖM, und Kärnten-Milch-Geschäftsführer Helmut Petschar bei einer Tagung der Rinderzucht Austria in Salzburg sagte: „Auf gesättigten Märkten kann das rasch ein KO-Kriterium werden. Es darf nicht passieren, dass aus solchen Gründen österreichische Milchprodukte diesen wichtigen Absatzmarkt verlieren.“ Dazu kommt die Vermutung, dass auch der heimische Handel bald auf ähnliche Systeme einschwenken könnte. Von der dauernden Anbindehaltung hat sich Österreich zwar bereits weitgehend verabschiedet. Sollte die Kombinationshaltung mit Alm und Weide im Sommer allerdings nur der zweitniedrigsten Stufe zugeschlagen werden, wird es für die alpine Milchwirtschaft heikel. Daher laufen hinter den Kulissen massive Bemühungen, mit der traditionellen Wirtschaftsweise in die nächsthöhere Kategorie zu gelangen.

„Von meinen 130 Lieferanten sind 90 Prozent im Berggebiet und in Hanglage. Nur fünf haben einen Laufstall“, umreißt Hansjörg Hirschhuber das Dilemma, in das er kommen könnte. Er betreibt die „Bergkäserei Zillertal“ in Schlitters und vermarktet die Hälfte seiner Produkte im LEH; einen erklecklichen Anteil davon bei den deutschen Nachbarn. „Ich brauche auch als kleine Käserei diesen Markt“, so der Tiroler. Zusätzlich eine dritte Milchsorte aus dem Laufstall neben Bio- und konventioneller Heumilch zu sammeln, sei kostenintensiv und mengenmäßig derzeit gar nicht darstellbar. „Ich müsste dann die Produkte doppelt käsen, um verschiedene Haltungsformen anbieten zu können.“ Hirschhuber ist eigentlich davon überzeugt, dass die Kombinationshaltung, bei der die Kühe im Sommer auf der Alm sind, tierfreundlich ist. Zugleich habe die Branche aber die Augen davor verschlossen, dass diese nicht ewig zu halten sein wird. „Noch vor kurzem hat man Bauern in Richtung Neubau eines Anbindestalls beraten. Das ist nicht sinnvoll. Wer investiert, muss einen Laufstall errichten und soll das auch anständig gefördert bekommen.“

Auch bei der Berglandmilch, Österreichs größtem Molkereikonzern, beobachtet man die Entwicklungen sehr genau. „Der überwiegende Teil der bei uns angelieferten Milch kommt aus Laufstallhaltung. Dieser Trend wird sich fortsetzen“, meint Geschäftsführer Josef Braunshofer. Er sieht aktuell keinen Bedarf für zusätzliche Differenzierungen, wie eine getrennte Abholung von Laufstallmilch. Man will über die Zuschläge beim Tierwohlbonus aber Anreize für Weiterentwicklungen schaffen und die Bauern bei Haltungsfragen begleiten und unterstützen. Bei einer mehrdimensionalen Tierwohlbetrachtung schneidet Braunshofer zufolge jedenfalls auch die Kombinationshaltung, gerade in Verbindung mit Weide und Alpung, gut ab. „Auch Milch, die nur gesetzlichen Mindeststandards entspricht, wird von uns in Zukunft immer abgeholt werden. Als Genossenschaft sind wir dazu einfach verpflichtet“, verspricht der Manager.

Von Seiten der VÖM wünscht man sich bei dem Thema ein einheitliches Vorgehen aller Partner. „Die österreichische Milchwirtschaft spricht sich daher für eine Weiterentwicklung des AMA Gütesiegels in Richtung Tierwohlkennzeichnung aus“, unterstreicht Helmut Petschar. Analog zum deutschen Ansatz sollen auch hier vier Stufen kommen: Über der Basis stehen dabei AMA + für verbesserte Stallhaltung und AMA ++ für zusätzlich verbesserte Standards mit Außenklima. In die höchste Kategorie fällt die Biomilch. „Ganz wichtig ist dabei für uns, dass österreichische Spezifika aufgrund der bestehenden Strukturen und der topographischen Gegebenheiten berücksichtigt werden“, so Petschar. Es müssen auch gar nicht alle Lieferanten in der höchsten Stufe landen. „Entscheidend ist, welche Mengen von welcher Stufe nachgefragt und bezahlt werden.“

STEFAN NIMMERVOLL

haltungsform.de


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