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Agrarexporte halten Kurs

Österreichs Agrarwirtschaft hat im ersten Halbjahr 2026 mehr Waren im Wert von 8,73 Milliarden Euro ins Ausland verkauft. Während die Einfuhren sanken, verringerte sich das Defizit im Agraraußenhandel um knapp 394 Millionen Euro. Vor allem Rindfleisch, Käse und Äpfel legten zu.

Die vorläufigen Zahlen der Statistik Austria zum Agraraußenhandel (Zollkapitel 1 bis 24) zeigen eine leichte Entspannung der Handelsbilanz. Der Wert der Agrarausfuhren erreichte von Jänner bis Juni 8,73 Milliarden Euro und lag damit um ein Prozent höher als im Vorjahr. Weil zugleich weniger importiert wurde, schrumpfte das Defizit gegenüber dem Vergleichszeitraum um knapp 394 Millionen Euro. Die ausgeführte Menge blieb mit rund 5,17 Millionen Tonnen praktisch gleich und übertraf die Einfuhrmenge sogar geringfügig. Besonders gefragt waren Rindfleisch, Geflügel, fermentierte Milch, Käse und Äpfel.

Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing, sieht darin einen Beleg für die Widerstandskraft der heimischen Land- und Lebensmittelwirtschaft. Sie verweist auf die wachsenden Mengen bei Fleisch, Milchprodukten, Obst und Gemüse und darauf, dass die Ware nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern Abnehmer findet. Darin liege eine Chance für die Betriebe. Wichtig sei, Qualität, nachvollziehbare Herkunft und die Arbeit der Landwirtschaft auch jenseits der Grenzen bekannt zu machen, um dauerhaft neue Absatzwege zu öffnen.

Italien, die Niederlande und Tschechien werden wichtiger

Der EU-Binnenmarkt bleibt das Rückgrat des Geschäfts: Mehr als vier Fünftel aller Agrarausfuhren gingen in die Europäische Union. Deutschland steht mit 3,35 Milliarden Euro und einem Anteil von 38,4 Prozent unangefochten an der Spitze.

Italien folgt mit rund 931 Millionen Euro auf dem zweiten Platz. Dahinter liegen Ungarn, die Niederlande, die Schweiz und Tschechien. Die Lieferungen nach Deutschland gaben minimal nach (minus 0,5 Prozent), andere Märkte wuchsen dagegen: Nach Italien ging um 4,3 Prozent mehr, in die Niederlande um 6 Prozent und nach Tschechien um 9,9 Prozent.

Die AMA-Marketing fördert den Auftritt regionaler Produkte im Ausland mit gezieltem Exportmarketing. Unter der Dachmarke „Land der Berge“ rücken Qualität und Eigenheiten der Erzeugnisse in den Vordergrund. Dazu gehören Kommunikationskampagnen, Kooperationen mit dem Handel und Auftritte auf internationalen Messen.

Deutschland bleibt der wichtigste Abnehmer

Auch im Handel mit dem großen Nachbarn schließt Österreich positiv ab. Agrarwaren im Wert von 3,35 Milliarden Euro gingen im ersten Halbjahr nach Deutschland, während die Einfuhren von dort um 4 Prozent auf 3,07 Milliarden Euro zurückgingen. Der Überschuss beträgt damit 283 Millionen Euro und fällt deutlich höher aus als vor einem Jahr.

Mutenthaler-Sipek erklärt den Erfolg mit der räumlichen Nähe, der gemeinsamen Sprache und ähnlichen Essgewohnheiten. Hinzu komme der Tourismus: Viele deutsche Urlauber lernen österreichische Spezialitäten vor Ort kennen. An diese Erfahrung wolle man im Exportmarketing anknüpfen und die Produkte im deutschen Handel stärker sichtbar machen.

Tierische Erzeugnisse als tragende Säule

Ein Blick auf die einzelnen Warengruppen unterstreicht den Stellenwert tierischer Lebensmittel. Den höchsten Ausfuhrwert erzielten Wurstwaren und Speck mit 478 Millionen Euro. Es folgen Käse mit 459,3 Millionen Euro und Rindfleisch mit 366,3 Millionen Euro. Auch Milch, Geflügel und Eier tragen spürbar zum Ergebnis bei.

Rind und Geflügel legen kräftig zu

Am stärksten wuchs der Export von Rindfleisch. Sein Wert stieg binnen Jahresfrist um 12,2 Prozent auf rund 366 Millionen Euro, die verkaufte Menge um 3,8 Prozent auf etwa 45.500 Tonnen. Österreichisches Rindfleisch fand also nach Wert und Gewicht mehr Abnehmer im Ausland.

Bei Geflügelfleisch hielt der Aufschwung des Vorjahres an. Die Ausfuhrmenge wuchs um 10,2 Prozent, der Wert um 9,2 Prozent auf 194,7 Millionen Euro.

Eier: Weniger Ware, mehr Erlös

Bei Eiern verlief die Entwicklung gegenläufig. Es wurde um 5,5 Prozent weniger exportiert, der Warenwert stieg aber um 9,3 Prozent auf 21,7 Millionen Euro. Der Durchschnittspreis kletterte dadurch von 4,44 auf 5,13 Euro je Kilogramm und hat sich seit 2022 mehr als verdoppelt.

Wurst und Speck auf hohem Niveau stabil

Wurstwaren und Speck hatten in den vergangenen Jahren stark zugelegt. Im ersten Halbjahr 2026 verharrten sie auf diesem hohen Niveau. Wert und Menge lagen fast exakt auf dem Stand des Vorjahres.

Milchprodukte finden im Ausland Käufer

Bei Milch und Milchprodukten fällt das Bild gemischt aus. Die ausgeführte Milchmenge wuchs um 6,7 Prozent, doch wegen deutlich gesunkener Preise fiel der Exportwert um 7,4 Prozent auf rund 211,7 Millionen Euro.

Sehr gut lief es bei fermentierter Milch, etwa Joghurt, Sauerrahm und ähnlichen Produkten. Die Menge wuchs um 22,2 Prozent, der Umsatz um 20,5 Prozent auf rund 180,3 Millionen Euro.

Käse bleibt ein Schwergewicht der heimischen Ausfuhren. Im Wert von 459,3 Millionen Euro wurde er exportiert, mengenmäßig 13 Prozent und wertmäßig 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Obst und Gemüse im Aufwind

Auch pflanzliche Erzeugnisse entwickelten sich erfreulich. Zubereitetes Obst und Gemüse erzielte mit rund 590 Millionen Euro den höchsten Ausfuhrwert unter den pflanzlichen Produkten, gefolgt von Brot und Backwaren mit 428 Millionen Euro.

Von Getreide wurden 5 Prozent mehr ausgeführt, der Wert ging jedoch um 7,4 Prozent auf rund 288 Millionen Euro zurück. Beim Gemüse stieg die Menge um 19,6 Prozent und der Wert um 5,2 Prozent auf 128,3 Millionen Euro. Obst legte mengenmäßig um 17,8 Prozent zu, die Erlöse wuchsen um 13,9 Prozent auf 161,1 Millionen Euro.

Äpfel erholen sich spürbar

Besonders stark fiel die Erholung bei Äpfeln aus. Nach einem schwachen ersten Halbjahr 2025 ging heuer wieder deutlich mehr ins Ausland. Mit knapp 24.800 Tonnen lag das Volumen um 56,1 Prozent über dem Vorjahr, der Wert stieg um 63,5 Prozent auf 25,3 Millionen Euro.