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Tiefkühlgemüse zukünftig aus Belgien?

Es traf die Betriebe im March­feld, die Branche und die Beschäftigten wie ein Donnerschlag. Wie aus dem Nichts verkündete Ardo die Schließung des Tiefkühlgemüse-Werks in Groß-Enzersdorf im Bezirk Gänserndorf. Eine Entscheidung, die weit über die Tore des belgischen Konzerns hinausreicht. Denn die angekündigte Werksschließung gefährdet nicht nur die Arbeitsplätze im Werk selbst, sondern auch rund 500 bäuerliche Betriebe und damit auch einen wichtigen Teil der heimischen Gemüseproduktion. Das Marchfeld ist eine der bedeutendsten Gemüsebauregionen Österreichs. Über Jahrzehnte wurden hier Strukturen aufgebaut und eine funktionierende Wertschöpfungskette geschaffen. Vom Feld über die Verarbeitung bis zum Regal ist daraus ein System entstanden, das für Qualität, Versorgungssicherheit und regionale Wertschöpfung steht.
Deshalb braucht es jetzt rasche Klarheit von Seiten des Konzerns. Was genau ist geplant? Was passiert mit den Anlagen? Was geschieht mit den Lieferbeziehungen zu den heimischen Gemüsebauern? Und vor allem: Hat man vor, die Verarbeitung zunehmend ins Ausland zu verlagern und künftig gleichzeitig die österreichischen Regale mit importiertem, belgischem Gemüse statt mit österreichischem Spinat und heimischen Marchfeld-Erbsen zu befüllen? Das würden sich die Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich nicht gefallen lassen, da bin ich mir sicher.
Bauern und Konsumenten stehen hier Seite an Seite. Niemand will, dass heimische Gemüseproduktion zurückgedrängt wird und gleichzeitig mehr Gemüse aus dem Ausland nach Österreich kommt. Wenn wir Versorgungssicherheit ernst nehmen, müssen wir die notwendigen Strukturen erhalten. Wer regionale Lebensmittel will, muss auch die regionale Verarbeitung ermöglichen.
Und an Ardo gerichtet: Wer über Jahrzehnte Teil dieser Wertschöpfungskette war, trägt Verantwortung dafür, was danach kommt. Es darf nicht passieren, dass mit der Schließung Anlagen, Know-how, Lieferbeziehungen und Absatzmöglichkeiten verloren gehen, die für die Zukunft der Gemüseproduktion im Marchfeld notwendig sind. Jetzt müssen alle Möglichkeiten auf den Tisch. Unser Ziel ist klar: Die Gemüseproduktion im Marchfeld muss erhalten bleiben. Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen eine Perspektive, die Beschäftigten brauchen Klarheit und die Konsumentinnen und Konsumenten die Möglichkeit, auch künftig auf heimisches Gemüse aus heimischer Produktion zurückzugreifen.
Wir kämpfen für unsere heimischen Bauern, für regionale Wertschöpfung und für heimisches Gemüse in unseren Regalen. Denn was heute auf unseren Feldern wächst, darf nicht morgen daran scheitern, dass die Strukturen für Verarbeitung und Vermarktung ­fehlen.

NÖ. Agrarlandesrat Stephan Pernkopf