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Hochwasserschutz neu denken

Kurze, lokale Regenfälle sind in Österreich in den vergangenen 30 Jahren deutlich intensiver geworden – mit spürbaren Folgen für die Hochwassergefahr im Land. Das zeigen neue Zwischenergebnisse der Studie „Wasser im Klimawandel“, die auf der Auswertung von Niederschlagsdaten aus mehr als 200 hochauflösenden Messstationen in ganz Österreich beruhen.

15 Prozent mehr Regen in kürzerer Zeit

Die Analyse liefert zwei zentrale Befunde: Erstens fällt bei kurzen, lokalen Starkregenereignissen heute im Schnitt rund 15 Prozent mehr Niederschlag als noch vor drei Jahrzehnten. Bei einstündigen Starkregen liegt der Anstieg sogar bei rund 20 Prozent – je kürzer der betrachtete Zeitraum, desto ausgeprägter der Effekt. Zweitens hat sich die Dauer von Niederschlagsereignissen insgesamt um 10 bis 15 Prozent verkürzt. Der Regen fällt also nicht nur intensiver, sondern auch in kompakteren Zeitfenstern.

Bei länger andauernden, großräumigen Starkniederschlägen fällt der Anstieg mit rund sieben Prozent im österreichweiten Mittel deutlich moderater aus. Der Grund liegt in unterschiedlichen meteorologischen Auslösern: Lokale Starkregenereignisse entstehen meist durch Gewitter, großräumige Niederschläge dagegen durch Wetterfronten.

Kleine Gewässer besonders betroffen

„Mit der zunehmenden Intensität lokaler Starkregenereignisse steigt auch die Wahrscheinlichkeit lokaler Hochwasserereignisse und Überflutungen“, erklärt Studienleiter Prof. Günter Blöschl, Hydrologe an der TU Wien. Die stärkste Zunahme zeige sich dabei nicht bei den großen Flusshochwassern, sondern an kleinen und mittleren Gewässern. Zunehmend an Bedeutung gewinnen zudem sogenannte pluviale Hochwasser – Überflutungen, die auch abseits von Bächen und Flüssen entstehen, wenn Regenwasser über die Oberfläche abfließt.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich Hochwasserereignisse heute schneller entwickeln als noch vor 30 Jahren. Das lässt weniger Zeit für Warnungen und Schutzmaßnahmen. Das Forschungsteam geht davon aus, dass sich der Trend zu intensiveren lokalen Starkregenereignissen bei weiter steigenden Temperaturen fortsetzen wird – wie stark, soll nun mithilfe von Modellsimulationen genauer untersucht werden.

Politik setzt auf Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen

Umweltminister Norbert Totschnig sieht in den Ergebnissen eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des Hochwasserschutzes: „Österreich hat in den vergangenen Jahrzehnten viel in den Hochwasserschutz investiert. Auf diesem Fundament entwickeln wir die Hochwasservorsorge mit Blick auf neue Herausforderungen wie intensivere lokale Starkregenereignisse laufend weiter. Es geht um die Sicherheit von Menschen, Gebäuden und Infrastruktur.“

Bewährte Maßnahmen wie Dämme und Rückhaltebecken sollen demnach künftig stärker durch naturbasierte Lösungen, vorausschauende Raumplanung und Bauordnung sowie durch Frühwarnsysteme und Katastrophenschutz ergänzt werden. Die Devise dabei: Rückhalt, wo möglich, Schutz, wo nötig.

Eigenvorsorge gewinnt an Bedeutung

Weil pluviale Hochwasser durch klassische Schutzbauten wie Dämme nicht überall verhindert werden können, rückt auch die private Vorsorge am eigenen Gebäude stärker in den Fokus. Dazu zählen etwa wasserdichte Kellerfenster, Rückschlagklappen gegen aufsteigendes Kanalwasser, gesicherte Öltanks sowie die hochwassersichere Lagerung von Heizpellets. Als Orientierungshilfe dient der Leitfaden „Eigenvorsorge bei Oberflächenabfluss“; ergänzend informiert das Bundesministerium mit der Kampagne „Hochwasser – ich schütze mich!“ über wirksame Schutzmaßnahmen.

„Ob ein Hochwasser räumlich begrenzt ist oder großräumig auftritt, macht für die betroffenen Menschen wenig Unterschied. In beiden Fällen können die Folgen katastrophal sein und Existenzen bedrohen“, betont Totschnig. „Unsere Vorsorge muss daher alle Formen von Hochwasser berücksichtigen, und das gelingt nur gemeinsam. Die öffentliche Hand schafft die notwendigen Rahmenbedingungen und setzt Schutzmaßnahmen um. Gleichzeitig leistet die Vorsorge am eigenen Gebäude einen wichtigen Beitrag. Nur wenn beides ineinandergreift, können wir Risiken verringern und Schäden begrenzen.“

Endbericht im November erwartet

Die Endergebnisse des Forschungsprojekts „Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ sollen im November 2026 vorgestellt werden. Der finale Bericht wird Projektionen bis zum Jahr 2100 enthalten und als wissenschaftliche Grundlage für die weitere Planung in Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Raumplanung dienen.

Die Studie wird im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft sowie der Bundesländer durchgeführt – von der TU Wien, GeoSphere Austria, der Universität Graz und der BOKU Wien. Untersucht werden dabei die Folgen der Klimaerwärmung auf den österreichischen Wasserhaushalt, insbesondere Niederschlag, Verdunstung, Grundwasser, Abflussverhalten sowie Hoch- und Niederwasser.

Weiterführende Informationen finden Sie auf wasseraktiv.at/wasser-im-klimawandel

Link zur Informationskampagne „Hochwasser – ich schütze mich!“: https://www.bmluk.gv.at/themen/wasser/wasser-oeffentlich/hochwasserschutz-kampagne.html