Klein aber fein
– Im ersten Halbjahr 2026 hat es im Großteil Oberösterreichs 40 bis 50 Prozent weniger geregnet als im Durschnitt der letzten Jahre. Viele Grünlandbetriebe leiden bereits massiv an Futterknappheit und nicht wenige Rinderbauern könnten gezwungen sein ihren Viehbestand abzustocken. Das gesamte Getreide konnte in unserem Bundesland heuer bereits rund zehn Tage früher, bei optimalen Erntebedingungen, bis zur letzten Juliwoche eingebracht werden. Bei in Summe unterdurchschnittlichen Erträgen, aber durchwegs hohen Qualitäten, sind die Ackerbauern aufgrund von internationalen Entwicklungen mit sehr hohen Kosten für Dünger und Diesel und relativ niedrigen Getreidepreisen konfrontiert. Im Bioackerbau sind die Erträge erfreulich und dies bei akzeptablen Preisen. Die Ergebnisse im Obst- und Gemüsebau sind aufgrund der ausgeprägten Trockenheit durchwachsen.
„Die anhaltende Trockenheit hat unsere Landwirtschaft heuer hart gefordert. Beim Getreide sind wir mit einem blauen Auge davongekommen: Die Erträge schwanken zwar regional deutlich und fallen in Summe unterdurchschnittlich aus, dafür stimmt die Qualität umso mehr – unsere heurige Ernte ist im wahrsten Sinne des Wortes klein, aber fein. Deutlich angespannter ist die Situation für all jene Betriebe, die auf das Grundfutter vom Grünland angewiesen sind. Die Futtervorräte gehen in besonders betroffenen Regionen bereits zur Neige. Die Tierhalter versuchen ihren Futterbedarf über Zukäufe sowie, wo möglich, über den Anbau von Feldfutter und weiteren Futterzwischenfrüchten zu sichern. Bleiben die Niederschläge in den kommenden Wochen weiterhin aus, wird sich die Lage weiter zuspitzen und es wird verstärkt zu Abstockungen der Rinderherden kommen. Die Landwirtschaftskammer unterstützt die Betriebe dabei mit gezielten Beratungsschwerpunkten, um die vorhandenen Futterpotenziale bestmöglich zu nutzen“, erläutert Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ einleitend.
Service- und Beratungspaket für von Futterknappheit betroffene Betriebe
Angesichts der angespannten Futtersituation infolge der Dürre unterstützt die Landwirtschaftskammer Oberösterreich gemeinsam mit dem Maschinenring tierhaltende Betriebe mit einem umfassenden Service- und Beratungspaket. Ziel ist es, zusätzliche Futterressourcen zu erschließen und verfügbare Futtermittel effizient zu vermitteln. Dazu werden Kooperationen zwischen Ackerbau- und Viehhaltungsbetrieben aktiv unterstützt. Im Rahmen von Kooperationsvereinbarungen können Ackerbaubetriebe Flächen für den Anbau von Futterzwischenfrüchten zur Verfügung stellen und damit tierhaltende Betriebe bei der Futterversorgung unterstützen. Ergänzend dazu bietet die Futtermittelbörse der LK OÖ eine zentrale Vermittlungsplattform für Futtermittelangebote und -gesuche. Auch die Bereitstellung von Körnermais zur Silomaisnutzung kann über diese Plattform koordiniert werden. Dadurch sollen vorhandene Potenziale bestmöglich genutzt und die Futterversorgung der Betriebe gesichert werden.
Gute Erntebedingungen mit ausgezeichneten Getreidequalitäten
Die Getreideernte ist in OÖ noch im Gange, aber mit 24. Juli sind – abgesehen von den höheren Lagen – bereits über 80 Prozent geerntet. Für Wintergerste, Raps und Winterweizen zeichnet sich folgendes Bild ab: Bei Wintergerste werden heuer leicht unterdurchschnittliche Erträge, aber mit gutem Hektolitergewicht eingebracht. Bei Winterraps und Winterweizen fehlen rund zehn Prozent auf den fünfjährigen Durchschnittsertrag. Die Erträge fallen auf den leichten Böden (Schotter, Sand) dramatisch ab, teilweise bis minus 70 Prozent. Die anhaltende Trockenheit hat auch positive Seiten. So gab es heuer eine hohe Blattgesundheit und zuletzt perfekte Erntebedingungen mit durchwegs niedrigen Wassergehalten von teilweise nur fünf Prozent bei Raps bzw. zehn Prozent bei Weizen.
Durchwegs schwärmen die Aufkäufer von einer hohen Qualität, so wird in OÖ über 90 Prozent Mahlweizenqualität > 12,5 Prozent Protein angeliefert. Die Hektolitergewichte liegen mit großteils 80 bis 85 Kilogramm sehr hoch und nicht wenige Landwirte berichten in Oberösterreich von noch nie dagewesenen Proteinwerten > 14 Prozent. In Niederösterreich geht man bereits von über 70 Prozent Premiumweizenqualität (>14 Prozent Protein) aus und dies obwohl viele Landwirte im Trockengebiet wegen der hohen Düngerkosten auf die dritte Düngergabe (Qualitätsdüngung) verzichtet haben.
Nachdem es kaum Futterweizen bzw. kaum schlechte Qualitäten gibt, erzielen Keksweizen (< 11,5 Prozent Protein) und Futterweizen praktisch denselben Preis wie Mahlweizen. Für Premiumweizen werden aufgrund des Überangebotes nur fünf Euro pro Tonne mehr bezahlt. Aufgrund der heuer allgemein sehr hohen Weizenqualität gibt es kaum Keksweizen und so gut wie keinen Futterweizen, was momentan zu diesem „Einheitspreis“ führt.
Internationale Krisen prägen die Situation im Ackerbau
Ukrainische Drohnenangriffe haben am 9. und 10. Juli im Asowschen Meer über 48 russische Schiffe, darunter 10 Tanker, getroffen und damit den aktuell auf Hochtouren laufenden Getreideexport aus Russland massiv beeinträchtigt. Russland ist der mit Abstand größte Weizenexporteur der Welt. Das Asowsche Meer verbindet die wichtigen Exporthäfen der Ostukraine Melitopol und Mariupol sowie das russische „Rostow am Don“ über die „Straße von Kertsch“ mit dem Schwarzen Meer. Ebenso hat Russland die ukrainischen Hafenanlagen in Odessa militärisch massiv unter Beschuss genommen.
Das russische Analysehaus SovEcon befürchtet, dass sich die vorrübergehende Sperre des Schiffsverkehrs über einen längeren Zeitraum bis September ziehen kann – mit gravierenden Auswirkungen für die Exporte aus der Schwarzmeerregion. Nachdem Russland und die Ukraine, wo sehr große Weizenernten anstehen, durch kriegerische Handlungen Exportschwierigkeiten haben, kann die EU bei den Exporten nach Nordafrika und in den Nahen Osten von steigenden Preisen profitieren.
Gleichzeitig ist der Iran-Krieg neu aufgeflammt und führte die letzten vier Wochen zu einem Preisanstieg bei Gas um 50 Prozent und bei Erdöl um 22 Prozent. Allein diese Sachverhalte zeigen, dass das Preisgeschehen am Rohstoff- und Energiesektor aktuell massiv durch die Kriegsverläufe am Schwarzen Meer und im Nahen Osten bestimmt werden.
Getreidebauern hoffen jetzt auf steigende Preise
Wintergerste erzielt zur Ernte einen Nettopreis von 160 Euro pro Tonne. Die Mahlweizennotierung ist unmittelbar zur Ernte an der Warenterminbörse Euronext in Paris um 20 Euro pro Tonne auf 238 Euro pro Tonne netto gestiegen. Abzüglich 35 Euro pro Tonne für Handelsspanne und Transport würde sich so ein Weizenpreis von 203 Euro pro Tonne netto für Oberösterreichs Landwirte errechnen. Leider zahlt der Agrarhandel unsere Getreidebauern jetzt zur Ernte für Mahlweizen kaum mehr als 185 Euro pro Tonne und argumentiert, dass die Lagerhallen noch von der Vorjahresernte gut gefüllt sind. So konnte im letzten Jahr wegen weltweiten Rekordernten und gestiegenen Exportkosten nur wenig Qualitätsweizen aus Österreich nach Italien exportiert werden. Ein wirtschaftlicher Getreideanbau ist mit diesem Weizenpreis aufgrund der teuren Düngermittel und der abermals gestiegenen Dieselkosten nicht darstellbar.
Bei der kommenden Maisernte zeichnen sich aufgrund der anhaltenden Trockenheit starke Einbußen an der Nordhalbkugel ab, womit in der zweiten Jahreshälfte ein steigender Maispreis den Weizenpreis mit sich ziehen könnte. So hat der Maispreis seit Mitte Juni an der Warenterminbörse Euronext um 40 Euro pro Tonne angezogen und notiert mit 249 Euro pro Tonne (März 2027). Abzüglich 30 Euro pro Tonne für Transport und Handelsspanne errechnet sich für den oberösterreichischen Maisbauern je nach Region ein Auszahlungspreis von bis zu 219 Euro pro Tonne netto. Die Differenz vom Maispreis zum österreichischen Weizenpreis ist mit rund 30 Euro pro Tonne zu hoch, weil die Mischfutterindustrie ab 10 bis 15 Euro pro Tonne Unterschied verstärkt Weizen statt Mais anfordert. Damit wird der Weizenpreis voraussichtlich auch in Österreich weiter anziehen.
Ebenso zog in der zweiten Julihälfte der Rapspreis an, der aktuell von den steigenden Erdölpreisen profitiert. Auch wenn die Rapserträge heuer nicht das gute Vorjahresniveau erreichen, so liegt der Rapspreis zur Ernte doch über netto 582 Euro pro Tonne. Ein Bruttopreis von 658 Euro pro Tonne (inkl. 13 % Ust.) macht den Rapspreis wirtschaftlich interessant. Sorge macht allerdings der niedrige Wasserstand an den europäischen Wasserwegen, was die Logistikkosten für die Agrarrohstoffe verteuert und wieder zu höheren Preisabschlägen führen kann.
„Die Preise für unseren heuer hochqualitativen Weizen sind in Österreich völlig unterbewertet. Allein aufgrund der großen Differenz zum Maispreis rechne ich damit, dass das Preisniveau bis zum Herbst anzieht. Den Konsumentinnen und Konsumenten rate ich, beim Einkauf von Brot und Gebäck verstärkt auf das AMA-Gütesiegel zu achten – damit sind österreichische Herkunft und höchste Qualität garantiert“, so Franz Waldenberger.
Weltweite Getreideernte liegt 2026/2027 unter dem Vorjahr
Global steht 2026/2027 wieder eine große Getreideernte inklusive Mais von geschätzt 2.426 Millionen Tonnen an, liegt aber damit 62 Millionen Tonnen niedriger als 2025/2026, wo sie 2.488 Millionen Tonnen betragen hat. In der EU wird die Getreideproduktion 2026/2027 inklusive Mais mit geschätzt 278 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr ebenfalls um zwölf Millionen Tonnen zurückgehen. Auch in Österreich wird mit einer etwa 10 bis 15 Prozent geringeren Getreide-/Maisernte gegenüber dem Vorjahr gerechnet, womit mit rund 4,8 bis 5 Millionen Tonnen das Ergebnis aus 2025/2026 von 5,6 Millionen Tonnen deutlich unterschritten wird. „Nachdem der globale Verbrauch 2026/2027 über der Getreideproduktion liegen wird, rechnet man weltweit wieder mit einem Rückgang der Lagerstände. Das ist eine Entwicklung, die den Getreidebauern nach Jahren mit hohem Kostendruck wieder Hoffnung auf steigende Preise gibt“, so Präsident Waldenberger.
Rohstoffpreis macht bei Lebensmittel durchschnittlich nur vier Prozent aus
Der wertmäßige Anteil von Weizen in einer Semmel beträgt gerade einmal ein Cent. Das heißt, wenn eine Semmel 25 Cent kostet und der Weizenpreis verdoppelt sich für den Landwirt, dann kostet die Semmel anschließend 26 Cent. Bekommt die Mühle den Weizen geschenkt, so verkauft der Bäcker die Semmel um 24 Cent. Das klingt zwar kurios, bildet aber die Realität in der heutigen Wirtschaft ab. Eine Verdoppelung des Weizenpreises bleibt für unsere Ackerbauern ohnehin ein frommer Wunsch, womit sich bei der Semmel keine Preiserhöhung um 1 Cent abzeichnet. „Sollten die Preise für Weizen oder Mais endlich steigen, so bleiben die Preiserhöhungen in einer hochentwickelten Volkswirtschaft, wie Österreich ohne nennenswerte Folgen für die Lebensmittelpreise. Im nordafrikanischen und asiatischen Raum sehen die Auswirkungen allerdings anders aus“, erläutert Präsident Waldenberger.
Ackerbau steht unter massivem Kostendruck
Die Ergebnisse der Arbeitskreis-Ackerbaubetriebe zeigen eine weiterhin angespannte wirtschaftliche Lage im oberösterreichischen Ackerbau. Neben den zunehmenden Wetterextremen und Trockenperioden belastet vor allem der starke Anstieg der Betriebsmittelkosten die Betriebe. Besonders bei den flächenstarken Kulturen Winterweizen und Wintergerste sind die Deckungsbeiträge unbefriedigend. Sie liegen 2026 nicht nur unter dem Vorjahr, sondern auch unter dem Durchschnitt des Vorkrisenniveaus der Jahre 2017 bis 2021 – und das ohne Berücksichtigung der Inflation.
Einzig die Ölsaaten, allen voran Winterraps, erzielen derzeit deutlich bessere Ergebnisse als das Getreide. Allerdings sind diese Kulturen flächenmäßig deutlich schwächer vertreten und können die Einkommensverluste im Getreidebau nicht ausgleichen. Bei den Sojabohnen besteht zudem noch Unsicherheit hinsichtlich der endgültigen Erträge, da die anhaltende Trockenheit in vielen Regionen noch zu spürbaren Einbußen führen kann.
Wichtig ist auch, dass der Deckungsbeitrag nicht mit dem Gewinn gleichzusetzen ist. Von diesem müssen noch die Fixkosten und damit zahlreiche Kostenpositionen wie Maschinen-, Gebäude-, Pacht-, Finanzierungs- und Arbeitskosten gedeckt werden. Schließlich sind auch noch die Sozialversicherungsbeiträge zu leisten. Die dargestellten Werte stammen zudem von überdurchschnittlich erfolgreichen Arbeitskreisbetrieben. Für viele durchschnittliche Ackerbaubetriebe fällt die wirtschaftliche Situation daher noch schwieriger aus. Zahlreiche Betriebe wirtschaften derzeit an der Rentabilitätsgrenze oder schreiben bereits rote Zahlen.
Düngerpreise und Dieselkosten schwanken auf hohem Niveau
Der oberösterreichische Agrarhandel bot Anfang Juni für den Stickstoffdünger Harnstoff 46 Prozent einen Bruttopreis im BigBag um 960 Euro je Tonne an. Nun fielen die Preise bis Mitte Juli auf 680 Euro pro Tonne. Ebenso ist der in Österreich wichtigste Stickstoffdünger im Ackerbau NAC 27 Prozent seit Anfang Juni von rund 490 Euro auf lediglich 480 Euro je Tonne im BigBag gefallen. Viele Ackerbauern verweigern aber die um diese Jahreszeit übliche Düngereinlagerung für die kommende Saison, weil sich das immer noch hohe Preisniveau für einen wirtschaftliche Getreidebau nicht rechnet. Ebenso führt das anhaltend hohe Preisniveau von Phosphordünger DAP 18/46 um 1.035 Euro und Kaliumdünger Kali 60 Prozent um 520 Euro je Tonne dazu, dass Landwirte bei der pflanzenbaulich notwendigen Grunddüngung sparen und die Böden zunehmend unterversorgen.
Auch die Dieselpreise lagen im Februar 2026 noch bei 1,60 Euro pro Liter und stiegen nach Ausbruch des Irankrieges bis Anfang April auf den Höchststand von 2,23 Euro pro Liter. Anschließend sanken die Dieselpreise bis Juni auf 1,70 Euro pro Liter und stiegen jetzt nach neuerlicher Eskalation im Nahen Osten wieder auf 1,95 Euro pro Liter.
Seit Anfang Juli ist der für Europa maßgebende Gaspreis Dutch TTF wieder von 42 Euro auf knapp 60 Euro je MWh angestiegen. Ebenso verteuerte sich seit Anfang Juli der Ölpreis von 70 auf 90 US-Dollar je Barrel. Damit zeichnen sich sowohl für die Stickstoffdünger als auch für den Diesel wieder anziehende Preise ab.
Maßnahmen zur Kostenreduktion gefordert
Gleichzeitig verteuert die aktuelle EU-Politik mit dem CBAM-Grenzausgleich sowie den Strafzöllen auf Dünger aus Russland und Belarus die Düngerpreise zusätzlich für Österreichs Landwirtschaft. Zur Entlastung hat nun die EU-Kommission vorgeschlagen, bereits ab 2027 der energieintensiven Industrie (Stahl, Zement, Chemie, Düngemittel und Papier) mehr kostenlose ETS-Zertifikate und einen langsameren Ausstieg aus der Gratiszuteilung dieser CO2-Zertifikate, über das Jahr 2039 hinaus, zu ermöglichen. Diese Maßnahmen entlasten zwar weiter die europäischen Düngermittelhersteller, die Landwirtschaft wird aber kurzfristig davon nicht profitieren.
„National ist es uns mit dem Agrardiesel für die Jahre 2027 und 2028 gelungen, eine dringend notwendige Entlastung von jährlich 50 Millionen Euro zu schaffen. Jetzt ist die Europäische Kommission am Zug: Im Zuge der Umsetzung des EU-Düngeraktionsplans braucht es weitere strukturelle Maßnahmen, um die Kosten für Dünger und Diesel spürbar zu senken und dem Ackerbau wieder Perspektiven zu geben. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Europas Bäuerinnen und Bauern im internationalen Vergleich mit den höchsten Düngemittelpreisen konfrontiert sind und gleichzeitig durch Schutzmaßnahmen für die Industrie wie den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM zusätzlich belastet werden. Wir brauchen zudem wirksame Importkontrollen bei Agrarerzeugnissen – im Sinne der hohen EU-Qualität und der Wettbewerbsfairness“, so LK OÖ-Präsident Waldenberger abschließend.

