Foto: Sandra Scharte

Aus den Händen der BayWa befreit

Die Rückholung der gesamten RWA aus der BayWa habe geschichtlichen Wert, meinte der RWA-Vorstandsvorsitzende Johannes Schuster bei der Jahrespressekonferenz in der Konzernzentrale in Korneuburg. „Wir sind stolz, dass es, mit enorm hohem Aufwand, gelungen ist, die Anteile von über 50 Prozent rückzukaufen. Uns ist es wichtig, dass wir uns nicht mehr so umfassend mit München abzustimmen haben.“ Es sei ein großer struktureller Vorteil, dass die Verbundspitze der Lagerhaus-Gruppe Entscheidungen nun entlang der agrarischen Realität in Österreich und nicht nach dem Plan externer Kapitalinteressen treffen könne. „Wir haben 2025 dafür genutzt, das Haus nach unseren Vorstellungen aufzustellen, auszuputzen und materielle Vorsorgen für die Zukunft zu bilden.“

Der Konzernumsatz der RWA betrug knapp mit 3,3 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern 1,6 Millionen. Laut Schuster sei es damit gelungen, eine „schwarze Null“ zu erwirtschaften und sich wirtschaftlich so aufzustellen, dass man auch unvorhergesehene Schadensereignisse zu Lasten der Genossenschaften für diese abfedern könne. Alle Vermögenswerte, die im Kontext mit der BayWa stehen, habe man mittlerweile neutralisiert. „Negatives aus München kann nicht mehr auf die österreichischen Lagerhaus-Genossenschaften durchschlagen.“ Als „neue RWA“ wolle man dem Kernauftrag als verlässliche Verbundspitze ganz im Sinne des Gründers nachkommen.

Vorstandsdirektor Christoph Metzker ergänzte, dass man das Momentum nutzen wolle, um vieles kritisch zu hinterfragen. „Dabei werden wir auch schauen, ob wir Beteiligungen halten oder abstoßen.“ Ganz aus einem Geschäftszweig zurückziehen wolle man sich aber jedenfalls nicht. „Bis über den Sommer werden wir Klarheit haben, wohin die Reise gehen wird.“ Bis Ende 2027 soll das Transformationsprojekt abgeschlossen sein. Restrukturierungen können auch die Lagerhaus-Standorte betreffen. „Die Genossenschaften werden schauen, welche noch zeitgemäß sind, welche modernisiert und welche zusammengelegt werden“, so Johannes Schuster.

Heruntergebrochen auf die einzelnen Geschäftsfelder verlief das Agrargeschäft 2025 mit 1,94 Milliarden Euro leicht unter dem Vorjahresniveau.  Stabil entwickelten sich demnach die Segmente Saatgut, Betrieb- und Futtermittel. Belastend wirkten hinegegen schwächere Preis- und Margenentwicklungen im Getreidegeschäft sowie in ackerbaunahen Bereichen. Beim Dünger haben Strafzölle und das CBAM-Grenzausgleichsystem der EU das Ihrige beigetragen. „Es war schon im Vorjahr klar, dass dieser teurer werden wird“, meinte Christoph Metzker, „daher haben wir aktiv zu den Landwirten und Lagerhäusern kommuniziert, dass sie schon im Herbst kaufen sollen.“ Der USA-Iran-Konflikt war damals noch gar nicht absehbar. „So, wie die Preise dann nach oben geschnellt sind, wäre das im Ackerbaun fatal gewesen.“

Bei der Landtechnik hatte man mit hohen Lagerbeständen, steigenden Maschinenpreisen und Investionszurückhaltung der Landwirte zu kämpfen gehabt. Der Technik-Umsatz betrug 242 Mio. Euro. Dennoch geht Metzker davon aus, dass man aus dem „Tal der Tränen“ heraußen sei. Mit der Übergabe der Lagerhaus Technik Center liege der Einzelhandel wieder in der Hand der Genossenschaften, die den Fokus auf den Kunden vor Ort hätten. Die RWA bleibt Generalimporteur. „John Deere trägt diese Veränderungen voll mit“, unterstrich Metzker. Die Verkaufszahlen seien in allen Bundesländern gut. „Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es im Jahr 1972 12.500 Traktorneuzlassungen gegeben hat und im letzten Jahr gerade und gerade 3.000.“

Von internationalen Verwerfungen abhängig und dementsprechend rückläufig war auch das Geschäftsfeld Energie mit einem Umsatz von knapp 852 Mio. Euro. Immer noch im Corona-Windschatten entwickeln sich die Haus- und Garten-Märkte. „Die Gartengarnitur und der Pool werden nicht alle zwei oder drei Jahre getauscht“, so Metzker. Bei den Baustoffen zeige sich, dass vor allem jene Lagerhäuser besser fahren, die auch gewerbliche Dienstleistungen anbieten. „Wer einen reinen Fachhandel hat, tut sich schwerer.“ Insgesamt habe man nach der schwierigen Phase jedenfalls Kopf und Hände für laufende Projekte frei, meinte Johannes Schuster. „Wir sind all jenen dankbar, die uns geholfen haben, uns aus den Händen der BayWa zu befreien.“