Wie aus der Gams eine Kuh wurde Einkaufsgemeinschaften bieten einzelnen Bauern Vorteile, die sie allein nicht erringen könnten. Damit helfen sie, die kleinstrukturierte Landwirtschaft zu erhalten. unserhof hat sich exemplarisch mit der Führungsspitze von KitzAgrar getroffen. Von Stefan Nimmervoll D er Blick über Jochberg soll an- geblich einzigartig sein von der Hütte von Josef Hechenberger hinunter ins Tal. Das Kitzbüheler Skigebiet und traditionsreiche Bauernhö- fe gäbe es da zu sehen, in einer Gemein- de, in der sich die Reichen und Schönen der Kitzbüheler High Society unter die alteingesessenen Tiroler mischen. Angeblich. Denn an dem Tag, an dem sich unserhof hinauf auf Hechenber- gers Alm begeben hat, regnet es und zäher Nebel liegt über der Landschaft. Gemütlich ist es trotzdem hier hero- ben. Und der Grund für den Besuch ist ja nicht der Ausblick. Sondern eine Ge- meinschaft, an deren Spitze Hechen- berger als Obmann steht. Ich habe eine Neue „Am Anfang standen die Motorsä- gen“, erzählt der Bauer von einer Feu- erwehrübung vor 17 Jahren, nach der man noch gemütlich beisammengeses- sen ist. „Ich brauche eine Neue“, mein- te der eine. „Ich auch“, der andere. So ergab es sich, dass man auf die stolze Zahl von 36 Geräten gekommen und damit zu den Händlern in der Region gegangen ist. „Wir haben die Sägen beinahe zum Einkaufspreis bekommen und daheim im Schnapsbrennkammerl ausgegeben“, erinnert sich Hechen- 36 berger. Einen Packen Geld habe man damals in bar ins Lagerhaus getragen. Die Ur-Idee zu KitzAgrar war geboren. Ein Jahr haben sicher Hechenberger und Konsorten damals Zeit gegeben, um zu entscheiden, ob sie daraus eine beständige Institution machen könn- ten. „Wir hatten ja keine Ahnung vom Geschäft. Ein Wirtschaftstreuhänder aus Kitzbühel hat uns dann geholfen, alles richtig aufzustellen.“ Bessere Preise Ein Verein wurde geschaffen, das Bar- geld abgeschafft. Heute hat man über 800 Mitglieder, über den Bezirk Kitz- bühel hinaus im gesamten Unterland, aber auch im Pinzgau, in Vorarlberg, in Bayern und in Südtirol. Der Verrech- nungswert, der direkt über KitzAgrar geht, betrug zuletzt eineinhalb Millio- nen Euro. Durch Einkäufe der Mitglie- der bei Partnerfirmen, die allerdings selbst fakturieren, aber durch Verein- barungen mit dem Verein bessere Prei- se verrechnen, wird er in etwa dreimal so hoch sein, berichtet Hechenberger. Großes Sortiment „Wir machen alles, außer Waffen und Glückspiel“, scherzt Josef Steiner, der zweite Sepp im Bunde und Geschäftsfüh- rer der Gemeinschaft. 520 verschiedene Produkte, vom Packerl Schrauben, über Viehsalz bis zum Motoröl und zum Kat- zenfutter, hat man im Angebot. „Alles, was man auf einem Bauernhof so brau- chen kann und nicht verderblich ist“, kehrt der Tiroler, der wie sein Obmann daheim einen Betrieb bewirtschaftet, zur Ernsthaftigkeit zurück. Zwei Mal im Jahr gibt es Verteiltage, an denen die vorher bestellte Ware bei einer Partnerfirma in St. Johann in Tirol ausgegeben wird. „Dort haben wir ein kleines Lager und einen Stapler zur Verfügung.“ Falls es einmal darum geht, einen ganzen LKW-Zug, etwa mit Lecksteinen, voll zu bekommen, wird der Überschuss dort verwahrt. Das meiste wird aber direkt geordert und bei den Veranstaltungen im Frühjahr und im Herbst mitgenommen. 70 Prozent online Eine Übersicht über die wesentlichen Produkte erscheint im halbjährli- chen Informationsblatt, das als Be- stellschein verwendet werden kann. 70 Prozent wird aber mittlerweile on- line bestellt. „Da haben wir die Men- gen auf Knopfdruck und die möglichen Fehlerquellen sind geringer“, sagt Steiner. Vieles wird von den Mitglie- dern blind, ohne den Preis zu kennen, unserhof 1/2026