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Rübenanbau stürzt in schwere Krise

„Das Jahr 2017 war das erste Rübenanbaujahr ohne EU-Zuckerquoten und ohne Rübenmindestpreise für die Landwirte. Das neue Vertragsmodell, das letztes Jahr monatelang verhandelt und ausgearbeitet wurde, bedeutete Planbarkeit für Landwirte und Agrana und ist von Vernunft und Nachhaltigkeit getragen. Ein faires, zuckerpreisabhängiges Ableitungssystem für die Zuckerrübenpreise ist einer der Kernpunkte der neuen Regelung.“ Dies erklärte der Obmann der Österreichischen Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft (ÖZVG), Ernst Karpfinger, bei der 18. Generalversammlung in St. Pölten. Diese Genossenschaft bündelt die Beteiligung der Rübenbauern an der Agrana Beteiligungs-AG und verwaltet die handelbaren Lieferrechte ihrer Mitglieder.

„Leider sind in diesem Jahr einige unserer Befürchtungen eingetreten. Durch die unverständlich starke Flächenausweitung in den europäischen Produktionsländern ist nun viel zu viel Zucker am Markt. Da hilft es auch nichts, dass wir als einziges Land in der EU die Flächen geringfügig reduziert haben. Der Weltmarktpreis ist wieder massiv gefallen, sodass die produzierten Übermengen dort nicht vernünftig abgesetzt werden können. Die Folge daraus ist ein verfallener Zuckerpreis in Europa, der einen aggressiven Preiskampf und Verdrängungswettbewerb in Gang gesetzt hat“, beschrieb Karpfinger die gegenwärtige Situation am Zuckermarkt.

„Auf europäischer Ebene nützen wir all unsere Kontakte und Möglichkeiten, um auch die anderen Rübenbauernkollegen davon zu überzeugen, den nach wie vor anhaltenden Wünschen der Zuckerindustrie, die Produktionsausweitung aufrechtzuerhalten, entschieden entgegenzutreten. Eine Überproduktion wird nämlich der gesamten Branche dauerhaft schlechte Preise bescheren“, so der Obmann.

Karpfinger betonte bei der Generalversammlung, dass vor allem auch die Zuckerindustrie starkes Interesse an einer marktkonformen Produktion haben müsste, denn jeder Rübenbauer könne jährlich reagieren und die Zuckerrübe durch eine andere Kultur mit weniger wirtschaftlichem Risiko am Betrieb ersetzen. Die Zuckerindustrie hingegen habe keine andere Option hinsichtlich des Rohstoffes Zuckerrübe.