Genau betrachetet
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… genau betrachtet

Ausflug ins Schloss

Österreich bestimmt seit Anfang Juli, dank halbjährlich rotierendem Ratsvorsitz, maßgeblich die Planung und Führung der wichtigsten EU-Gremien. In gut einem Monat werden auch die Agrarminister aller EU-Mitgliedsstaaten (nur der Brite muss mittlerweile daheimbleiben) zu ihrem „informellen Treffen“ nach Österreich kommen. Gerade diese Treffen werden aber seit Jahren eher als Halbjahresausflüge der Ratsmitglieder ins jeweilige Vorsitzland bemäkelt, weil bei diesen nie Beschlüsse fallen.
Dabei gäbe es für die Minister genügend Themen, beginnend vom Klimawandel und mittlerweile desaströsen Auswirkungen auf Europas Äcker, Wiesen und Wälder über wirklich effiziente Anpassungsstrategien bis hin zur Frage, ob es nicht völlig neue EU-Förderkriterien braucht, um möglichst viele bäuerliche Familienbetriebe nachhaltig abzusichern. Also gezielte Unterstützung für jene, die nicht darauf drängen, immer mehr Tiere zu halten, gefüttert mit Getreide, das eigentlich für die menschliche Ernährung vorgesehen ist. Und mit dieser Produktion zudem nicht nur dem Klima schaden.
Allerdings sollte man sich auch vom rotweißroten EU-Agrargipfel in Schlosshof nicht allzu viel erwarten. Die eigentliche Ratssitzung im gediegenen Marchfeldschloss wird kaum länger dauern als ein übliches Schlosskonzert. Und bei Besuchen von Bauern und Winzern davor wie danach oder beim festlichen Galadinner bleibt zwischen Folklore und Kulinarik ohnehin keine Zeit für tiefgehende Analysen.