Genau betrachetet
Foto: privat

… genau betrachtet

Weihnachtsfriede

Die Richtung stimmt. Österreichs Supermarktketten wollen den Bauern künftig mit mehr Fairness begegnen. Federführend von Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger initiiert, verpflichten sich die „Big Five“ Rewe, Spar, Hofer,
Lidl und Metro mit einem „Fairnesskatalog“ zu Wohlverhalten, sprich: Verträge mit Bauern oder agrar­ischen Erzeugergenossenschaften
nicht einseitig zu torpedieren. Unter „unlauter“ fallen künftig etwa die Verweigerung schriftlicher Verträge, Listungsgebühren, nachgeforderte Rabatte, spontanes Auslisten oder die Rücksendung nicht verkaufter Ware an Lieferanten gegen Gebühr.
Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. In der Praxis lief es offenbar anders. 37 strittige Beanstandungen wurden seit Februar bei der neuen „Whistleblower“-Stelle in der Bundeswettbewerbsbehörde gezählt. Ergebnisse, gar Sanktionen, gibt es noch keine. Noch werden alle Fälle „evaluiert“. Strafen soll es auch künftig keine geben, bei berechtigter Kritik werde ein amtlicher Ombudsmann vermitteln. Ab wann und wo? Steht noch nicht fest. Indes geloben die Handelsmanager schon jetzt Besserung.
Am Ende wirkt wohl nur volle Transparenz, also echtes Anprangern konkreter Vergehen samt Namensnennung. Jährliche Berichte seien angedacht, wenn auch nur anonymisiert. „Blame and shame (Schuld und Schande) ist nicht unser Ziel“, so die Ministerin polyglott. Besser sei die Benennung der Musterknaben.
Das käme zwar fast auf das Gleiche hinaus. Und klang, passend zur Jahreszeit, nach vorläufigem Weihnachtsfrieden.