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EU bei neuen Züchtungsmethoden gefordert

Differenziert bewertet die Landwirtschaftskammer Österreich das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zum Thema neue Züchtungsmethoden. „Positiv ist, dass eine Entscheidung getroffen worden ist, die für ganz Europa gilt. Für Österreich ist das einerseits eine Chance, die heimische, gentechnikfreie Produktion abzusichern und auf bewährte Qualität zu setzen, die von den Konsumentinnen und Konsumenten geschätzt und nachgefragt wird“, heißt es von Seiten der LK Österreich. „Andererseits muss sichergestellt werden, dass es nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommt, wenn wir uns strengere Produktionsbedingungen auferlegen als andere.“

Faire Bedingungen im internationalen Handel sind somit das Um und Auf. „Es darf nicht sein, dass sich die österreichischen beziehungsweise die europäischen bäuerlichen Betriebe an strenge Auflagen und Einschränkungen halten müssen, die für Importländer nicht gelten und diesen dadurch entscheidende, einseitige Vorteile verschaffen. Hier ist die EU massiv gefordert, für faire Rahmenbedingungen und Abgrenzungsmöglichkeiten zu sorgen“, unterstreicht die LK Österreich auch im Hinblick auf das Motto der aktuellen EU-Ratspräsidentschaft: „Europa, das schützt“.

Zu diesem Zweck ist es dringend erforderlich, raschest geeignete Nachweismethoden zu entwickeln, die es möglich machen, derartige Erzeugnisse von traditionell produzierten zu unterscheiden. Weiters ist es unverzichtbar, die Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln, sowohl die regionale als auch die methodische zu verbessern. Ansonsten besteht die Möglichkeit, dass sich importierte, günstiger hergestellte GVO-Produkte in den heimischen Regalen befinden, die niemand als solche erkennt. Der Griff zu heimischen Qualitätslebensmitteln garantiert im Gegensatz dazu Gentechnik-Freiheit.

Das Entscheidendste aus Sicht der LK Österreich ist jedenfalls, dass Fairness und Klarheit für die Konsumentinnen und Konsumenten sowie für die heimischen bäuerlichen Betriebe gewährleistet ist. Zu diesem Zweck sind fachlich fundierte Risikobewertungen und eine enge internationale Zusammenarbeit von Forschung und Praxis gefordert.

Gleichzeitig spricht sich die LK Österreich aber auch dafür aus, diesen Bereich in Zukunft differenziert zu betrachten. Es geht bei diesem Thema um zahlreiche verschiedene Methoden, wobei – im Gegensatz zur herkömmlichen Gentechnik – keine unterschiedlichen Arten miteinander kombiniert werden und keine Gene übertragen werden. Laufend kommen neue Züchtungstechniken dazu und auch den Anwendungsmöglichkeiten scheinen keine Grenzen gesetzt – von Biotechnologie, Pharmazie bis eben zur Land- und Forstwirtschaft.

Es besteht somit die Möglichkeit, dass Methoden entwickelt und für sicher erklärt werden, die das Potenzial haben, Antworten auf wesentliche Zukunftsthemen wie den Klimawandel, Krankheiten, Schädlinge etc. zu geben. Letztendlich stellt ja auch jede traditionelle Form der Züchtung eine Weiterentwicklung des Erbgutes dar – mit dem Ziel die Eigenschaften der Pflanzen zu verbessern, was höhere Erträge, bessere Qualität oder auch Widerstandskraft gegen Krankheiten und Stressfaktoren bedeutet.

Die neuen Züchtungsmethoden gelten deswegen auch als Hoffnungsträger zur Verbesserung gravierender Problemsituationen. Deswegen spricht sich die LK Österreich dagegen aus, das Thema pauschal zu verteufeln, sondern vielmehr genau im Auge zu behalten. Gerade für die nachhaltige bäuerliche Züchtung in Österreich könnten sich Chancen ergeben, die es zu nützen gilt. Patente auf Tiere und Pflanzen lehnt die Landwirtschaftskammer jedenfalls entschieden ab.