TIERGESUNDHEIT Lahmheit kann teuer kommen Lahmheiten und Klauenläsionen gehören zu den bedeutendsten Krankheitsbildern in der Milchviehhaltung und haben erhebliche Auswirkungen auf Milchleistung, Fruchtbarkeit und Tierwohl und somit auch auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebes. Von Julia Schoiswohl F ruchtbarkeitsstörun- g e n s t e h e n m i t 24,2 Prozent an erster Stelle der häufigsten krankheitsbedingten vorzei- tigen Abgangsursachen von Milchkühen in Österreich, ge- folgt von Eutererkrankungen (13,2 Prozent) und Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen (7,5 Prozent) (Zuchtdata, 2020). Aufgrund von Wechselwirkun- gen und Zusammenhängen zwischen diesen Krankheits- komplexen (Aungier et al., 2014; Heuwieser, 2014; Zebeli et al., 2015) sind Klauen- bzw. Gliedmaßenerkrankungen nicht „nur“ schmerzhaft für die Tiere, sondern führen auch zu wirtschaftlichen Verlusten. Dies gilt insbesondere dann, wenn Kühe während der Frühlak- tation lahm sind, in einem Zeitraum, in welchem sie die höchste Milchleistung erbrin- gen (Bicalho et al., 2008; Kofler et al., 2021) und in welchem sie auch wieder trächtig werden sollten. Reduzierte Futteraufnahme Neben vermindertem Brunst- verhalten kommt es bei lah- men Kühen zu einer redu- zierten Futteraufnahme, was 20 besonders in der Frühlaktation ein deutliches Energiedefizit zur Folge hat und sich in einem teilweise markanten Verlust der Körperkondition (Body Condition Score = BCS) zeigt. Dieses Energiedefizit äußert sich oft mit dem klinischen Bild einer Ketose, hat jedoch auch Auswirkungen auf die Eier- stockaktivität und somit auf die Fruchtbarkeit der Kuh (Garba- rino et al., 2004; Ribeiro et al., 2016). Kühe mit hohen BCS-Verlusten nach der Abkalbung sind signi- fikant anfälliger für Lahmheit, da neben Körperfett auch die Klauenfettpolster abgebaut werden und diese Pölster da- durch dünner werden (Bicalho et al., 2009). Zudem wurden bei Kühen mit nur geringen post- partalen BCS-Verlusten selte- ner Eierstockzysten (Melendez et al., 2003; Gossen et al., 2006) festgestellt. Das Risiko für ein verspätetes Einsetzen des Zy- klus bei lahmen Kühen ist 3,5- mal höher als bei nicht lahmen Kühen (Garbarino et al., 2004; Ribeiro et al., 2016; Omontese et al., 2020). Sprecher et al. (1997) entwi- ckelten ein System zur Beur- teilung von Lahmheiten mit Locomotion Scores (LSC) 1 bis 5 (Abb. 2), um Lahmheiten früh rinderprofi 3/2025 Abb. 1: Kontrolle des Zwischenklauenwinkels (Klauenpositions score): Man steht hinter der Kuh und kontrolliert den Winkel, gebildet von der Mittellinie des Rückens und von einer Linie, die durch den Zwi- schenklauenspalt jedes Hinterklauenpaares gelegt wird. Das linke Bild zeigt einen Score 1 mit normalem Zwischenklauenwinkel, der annähernd parallel zur Körpermittellinie verläuft, d. h., die Trachten- höhen der Außen- und Innenklauen sind etwa gleich hoch. Im rechten Bild sind Kühe mit abnormalem Zwischenklauenwinkel (Score 2) zu sehen. Hierbei ist die Trachtenhöhe der Außenklaue deutlich höher (oft bis zu 10 mm und auch mehr) als die der Innenklaue, was eine wesentlich stärkere Druckbelastung an der Außenklaue zur Folge hat. Score 1: Winkel von 0° bis 17°: Beschreibt den normalen Zwischenklau- enwinkel, der dann vorliegt, wenn die Trachtenhöhen beider Klauen jeweils etwa gleich hoch sind. Die Kuh weist von hinten betrachtet eine nahezu normale, parallele Gliedmaßenstellung auf. Score 2: Winkel > 18°: Wenn die Trachtenhöhe der Außenklaue deutlich höher (z. B. um 5 mm oder mehr als 10 mm) ist als die der Innenklaue, resultiert daraus ein deutlich größerer Zwischenklauenwinkel. Die Kuh weist dabei von hinten betrachtet eine deutliche x-beinige Stel- lung auf. Höhere Trachtenhöhen an der Außenklaue stellen infolge des ver- mehrt einwirkenden Druckes auf die Lederhaut einen bedeutenden Risikofaktor für die Entstehung eines Sohlengeschwürs bzw. einer Weiße-Linie-Erkrankung (Wanddefekt) dar. r e fl o K n n a h o J © : s o t o F