IM GESPRÄCH betriebswirtschaftlich oder ob es bei der Ausrichtung der Betriebszweige ist, wollen sie ihre Punkte einbringen und sich fachlich so weit auf Schuss bringen, dass sie mitgestalten können. Selbstverständlich machen sie den Facharbeiter- oder sogar die Meister- ausbildung. Sie wollen aber auch die Anerkennung dafür. Welche besonderen Kompetenzen bringen Frauen mit, wenn sie auf einen Hof kommen? Langer-Weninger: Wo Frauen mit am Hof sind, wird weniger aus dem Bauch heraus entschieden, sondern es wird auch gut gerechnet. Ich höre oft von Verkäufern, dass die Bäuerin mit am Tisch sitzen muss, damit unterschrie- ben wird. Das ist ein Zeichen dafür, dass am Betrieb gemeinsam und auf Augenhöhe entschieden wird. Und natürlich sehen wir auch in der Bera- tung, dass die Bäuerinnen oft in Rich- tung direktem Kontakt zu den Konsu- menten tendieren, wie zum Beispiel in der Direktvermarktung oder im Green Care. Gerade dort gibt es ein großes Zukunftsfeld. Sie haben selber auf einem Hof ein- geheiratet. Gibt es etwas, das sie jungen Mädchen raten würden? Langer-Weninger: Wichtig ist, dass man sich darauf einlässt, dass man in eine Familie und damit in ein anderes „Sys- tem“ kommt. Jede Familie funktioniert anders. Da braucht jeder seinen Platz. Man selber, wenn man hinkommt. Aber auch die anderen brauchen die Zeit, ei- nen Schritt zurückzugehen. Jeder hat da sein eigenes Tempo. Viel reden mit- einander und sehen, was es mit den anderen macht, wenn man neue Ideen einbringt, hilft dabei. Denn das bedeu- tet nicht, dass man alles kritisiert, was vorher gemacht wurde. Dafür braucht es Fingerspitzengefühl, und es ist nicht immer ganz einfach. Die liebe Schwiegermama ist ein wichtiger Faktor im Gelingen einer Familie. In Bauernhöfen ist der Kon- takt zwangsgedrungen intensiver als sonst. Das ergibt auch Reibungs- punkte. Ab wann soll man sich dabei Hilfe holen? unserhof 3/2026 Langer-Weninger: Wenn man selber das Gefühl hat, dass es einem nicht gut geht oder einen über einen län- geren Zeitraum etwas beschäftigt, dann ist es gut, wenn man mit je- mandem darüber redet. Zum Bei- spiel mit Lebensqualität Bauernhof. Dort kann man sich alles von der Seele reden und entscheiden, ob es mehr braucht, damit man das auflöst. Denn aus einer unguten Situation, die einen länger beglei- tet, können größere Konflikte oder sogar ein gesundheitlicher Schaden entstehen. Zu Beginn einer Beziehung ist oft alles eitel Wonne. Auch auf Bauern- höfen kommen aber Scheidungen vor, und so mancher Rosenkrieg hat schon schöne Betriebe ausein- andergerissen. Wie kann man dem vorbeugen? Langer-Weninger: Natürlich sind wir in der Landwirtschaft nicht abgeschottet von der Gesamtgesellschaft. Wenn die Scheidungsfälle mehr werden, schlägt sich das irgendwann auch hier nieder. Deshalb ist wichtig, schon wenn man übernimmt, eine gute Beratung zu ma- chen. Die Landwirtschaftskammer bie- tet diesbezüglich gute Angebote. Ein guter Übergabevertrag, der für beide Seiten passt, bietet Absicherung. Für die Frau, die einheiratet, aber auch, wie es im Falle des Falles mit dem Betrieb weitergeht. Am Ende will keiner, dass dieser deshalb draufgeht. Die Kinder wollen ja meistens auch damit weiter- wirtschaften. Ein Problem in der Landwirtschaft sind auch die „ewigen Junggesel- len“, nicht nur sozial, sondern auch vom Management der Betriebe. Ist es für einen Bauern schwieriger, eine Partnerin zu finden? Langer-Weninger: Eine Frau heiratet nicht einen Bauern, sondern einen Mann. Wenn jemand eine Bäuerin sucht, ist er falsch dran. Er sollte zuerst jemanden suchen, den er gerne hat. Dann wird es vielleicht eine Bäuerin – oder auch nicht. Wenn es eine Bäuerin wird, muss man den Betrieb so ausrich- ten, dass für beide Platz ist. Und wenn sie sagt, ich will dich zwar heiraten, aber keine Bäuerin sein, dann wird man den Betrieb danach ausrichten. Leute, die nur jemanden suchen, der ihnen die Arbeit macht, werden ewig Junggesel- len bleiben. Früher war es oft der älteste Sohn, der den Betrieb übernimmt. Sind wir über diesen Automatismus hin- weg? Langer-Weninger: Das ist nicht mehr automatisch in dieser Form so. In der Familie macht man sich schon Gedan- ken, wer aus der Familie überhaupt Interesse und wer das Geschick hat, dass er oder sie den Hof weiterführen kann. Man schaut viel genauer hin, wer wo hingreift und wer Freude damit hat, den Betrieb gut weiterzuführen. Sehen Sie eine klassische Aufteilung zwischen den Aufgaben, in Richtung der Mann sitzt am Traktor, die Frau geht melken? Langer-Weninger: Es ist sehr unter- schiedlich, wie die Betriebe organisiert sind. Freilich gibt es noch die ganz klas- sischen Aufteilungen. Es gibt aber auch solche, wo es sich mischt, die Bäuerin alles kann und in den Stall geht und die Felderwirtschaft macht. Genauso hel- fen aber auch Männer im Haushalt mit. Aber besteht nicht die Gefahr, dass man mit den Kindern in alte Muster zurückfällt? Langer-Weninger: Auch das ist ein Thema, wo jeder selber hinschauen muss, was für ihn in der Beziehung passt. Wenn sich das Frau und Mann von Anfang an gut ausmachen, kann das gelingen. Ich erlebe viele Männer, die genauso am Aufwachsen und der Erziehung der Kinder teilhaben wollen. Sofern das funktioniert, hat man in der Landwirtschaft den Vorteil, dass beide Seiten dieses Großwerden sehr inten- siv erleben können. Sie haben Karriere über die Position der Kammerpräsidentin bis hin zur Landesrätin gemacht. Wie viele Wi- derstände haben sie erlebt? Langer-Weninger: Keine. Oder zumin- dest keine, die mich so beschäftigt ha- ben, dass ich es nicht gemacht hätte. Ich habe immer das Gefühl gehabt, 19