STALLBAU Was Bau und Betrieb wirklich kosten Wer einen Legehennenstall bauen will, sollte die Investition zuerst gründlich durchrechnen und sich Beratung holen. G rundlage ist eine exakte Ermittlung der Gesamtkosten. Sie setzen sich aus sieben Posten zusammen: Planung und Bauverfahren, Infrastruktur (Wasser, Strom, Zufahrt, Geländekorrektur, Rangierflächen), Bauwerk ( Hygieneschleusen, Technik- raum, Stall, Eierlagerraum, Sozialraum, WC, Garage), Au- ßenanlagen für Freilandhaltun- gen (Außenscharrraum, Aus- laufgestaltung, Bepflanzungen, Zäune), technische Einrich- tungen (Aufstallung, Lüftung, Fütterung, Tränke, Eilogistik), Lagerbereiche für Einstreu, Nestmaterial und Zubehör so- wie Entmistung und Düngerla- gerstätte. Erst danach lässt sich eine Gesamtkostenschätzung erstellen, die als Basis der Wirt- schaftlichkeitsprüfung dient. Wirtschaftlichkeit prüfen Die Prüfung erfolgt über eine vereinfachte Formel. Ausgangs- punkt ist der Deckungsbeitrag, der aus eigenen Berechnungen, Internet-Deckungsbeiträgen und der Beratung der Landwirt- schaftskammer ermittelt wird. Er ist stets betriebsindividuell zu berechnen, etwa je nach- dem, ob Direktvermarktung, Vertragsproduktion oder eine Kombination beider gewählt wird. Online-Rechner bieten die 28 Bundesanstalt für Agrarwirt- schaft und Bergbauernfragen sowie die Bayerische Lehran- stalt für Landwirtschaft (mit Vollkostenrechnung). Vom Deckungsbeitrag wer- den die fixen Spezialkosten abgezogen. Sie betragen ca. 8 Prozent der Gesamtinvesti- tionskosten und bestehen aus der Absetzung für Abnutzung (5 Prozent), der Verzinsung (4 bis 5 Prozent vom halben Neuwert), der Instandhaltung und der Versicherung (0,5 bis 1 Prozent). Das Ergebnis ist die spezialkostenfreie Leis- tung. Wird diese durch die Arbeitsstunden pro Einheit geteilt, erhält man den Ar- beitsertrag pro Stunde, so- fern sich die Gemeinkosten nicht verändern. Baukosten pro Legehennenplatz Als Orientierung dienen Durch- schnittswerte (Stand 2025, ex- klusive MwSt., ohne Förderun- gen): – Neubau für 18.000 Legehen- nen, Bodenhaltung auf meh- reren Ebenen (Voliere): 85 bis 100 Euro pro Platz – Neubau für 12.000 Legehen- nen, Freiland- oder Boden- haltung auf mehreren Ebe- nen inkl. Außenscharrraum: 105 bis 125 Euro pro Platz – Neubau für 6.000 Biolege- hennen, mehrere nutzbare Ebenen inkl. Entmistung und Außenscharrraum: 140 bis 170 Euro pro Platz Die Vergleichbarkeit ist bei Stan- dardställen sehr gut, bei Stall- umbauten ergeben sich sehr hohe Unterschiede. Die Werte dienen nur der Groborientie- rung, entscheidend sind konkre- te Angebote oder Abrechnun- gen fertiggestellter Projekte. Kostensätze des Landwirtschafts- ministeriums Das BMLUK veröffentlicht Net- tokosten, die aus abgewickel- ten Projekten und Angeboten errechnet werden. Im Rahmen der Investitionsförderung die- nen sie als Kostenobergren- ze pro m². Diese Obergrenze beträgt 500.000 Euro netto. Stand September 2025 gelten unter anderem: – Legehühnerstall, Bodenhal- tung (Höhe max. 4,00 m): 692 Euro/m² – Legehühnerstall, Volieren- haltung (Höhe max. 4,00 m): 940 Euro/m² – Außenscharrraum (Höhe max. 3,20 m): 386 Euro/m² – Eierlogistik für Abnahme, Kennzeichnung, Farmpa- cker und Höckerstapler: 65.000 Euro pro Anlage geflügelprofi 2/2026 m o c . o t o f r a r g a © : o t o F