FAMILIE UND BETRIEB M anderl, Manderl, Manderl, kemmt´s her!“ Michael He- benstreit hat seine Ochsen im Griff, wenn sie gemächlich hin- ter ihm und dem Kübel mit den Gutzis her- trotten. Momentan kann sich der Ober- steirer seiner Herde noch mehr widmen und eine Mensch-Tier-Beziehung aufbau- en. „Zeitausgleich“, meint er auf die Fra- ge, warum er trotz Vollzeit-Job vormit- tags auf der Wiese im Lachtal unterwegs ist. Denn der Monteur war gerade einige Wochen durchgängig im Ausland im Ein- satz und hat genügend Überstunden ge- sammelt. „Ich war in Grönland und habe auf Flughäfen neue Falttore eingebaut“, strahlt der Oberwölzer und ergänzt im Scherz: „Außerdem habe ich Inventur bei den Eisbären gemacht. Aber jetzt sind mir meine Ochsen wieder lieber.“ Diese grasen seit 2019 auf den Wiesen und Almen der Familie. „Wir haben Milchwirtschaft gehabt und ich war Bürgermeister, Obmann der Bezirks- bauernkammer Murau und Landes- kammerrat“, beschreibt Senior Martin Hebenstreit den Weg zum Fleischvieh. Junior Michael ist seit 2019 Betriebs- führer und hat den Hof jüngst, und erst im Alter von 43, komplett übernom- men. „Mit einem 40-Stunden-Job wäre Milch nicht mehr machbar gewesen. Und wir sind mit 22 angebundenen Kühen überall angestanden und hät- ten sowieso investieren müssen“, so der, mittlerweile, Altbauer. Die rund 80 Ochsen im neuen, luftigen Laufstall und auf den Wiesen der Stadt- g e m e i n d e könnten die rüstigen Pensio- nisten Karl Vorraber und Michael Hebenstreit unserhof 2/2026 gut betreuen und der Sohn dabei wei- terhin seinem Beruf nachgehen. „Die meisten unserer fast 500 Vereinsmit- glieder sind im Nebenerwerb“, bestätigt Almo-Bauernbetreuer Karl Vorraber. Oft wären die Lieferanten Bergbauern und hätten gar keine Möglichkeit, ihre Wei- den zu verpachten. Damit das Haus nicht irgendwann ganz im Wald steht, grasen eben ein paar Tiere rund um das Anwe- sen. „Wenn es Almo und diese vielen kleinen Bauernhöfe nicht geben würde, würde die Steiermark anders ausschau- en“, meint der Mitarbeiter der Rind Stei- ermark. Sein Verein besteht bereits seit 1988, als eine Gruppe Bauern unzufrieden damit war, dass ihr Mastvieh nach Liby- en verschifft und dort rituell geschlach- tet wurde. Also wurden die Tiere in den städtischen Schlachthof Weiz umgeleitet und über die Fleischer der Kommune ver- marktet. Der erste große Aufschwung kam nach der Jahrtausendwende mit BSE. „Damals hat es geheißen, dass das Ge- hirn von Rindern über 24 Monate auf die Krankheit untersucht werden kann“, sagt Vorraber. Almo-Ochsen wuchsen so lang- sam heran, dass sie dieses Alter erreich- ten. Die Verkaufszahlen stiegen folglich von 1.000 auf 3.000 Stück pro Jahr. Heute sind es mehr als 6.000 Schlachtkör- per, die als Hälften zu Billa weitergegeben werden. Dort werden sie weiter zerlegt und unter dem Tierwohlprogramm „Fair zum Tier!“ in Geschäften in ganz Öster- reich angeboten. Für Lieferanten wie die Familie Hebenstreit erfolgt der Einstieg gerade zum richtigen Augenblick. „Och- sen sind gefragt und wir kommen aus einer Phase, in der die Preise sehr hoch waren“, weiß Michael Hebenstreit. Mit seinen 40 bis 50 Stück, die er jährlich bis zur Schlachtreife mit durchschnittlich 27 Monaten bringt, kann er ein stabiles Ein- kommen erzielen. „Wir kaufen die Einstel- ler schon kastriert mit 150 Kilo von fixen Partnerbetrieben, wenn sie von der Milch weg sind. Die meisten Jungtiere sind Fleckvieh mit Zweinutzungs-Genetik oder wurden mit Fleischrassen wie Belgiern oder Limousin belegt.“ Die Almo-Spielre- geln geben vor, dass die Rindviecher ab dem sechsten Lebensmonat sommers draußen auf der Weide sein müssen. Nur zur Endmast kommen sie dann wieder in den Stall. „Unsere Futtergrundlage ist kommod berechnet. Wir kommen auch in trockenen Jahren wie heuer mit den eigenen Flächen gut aus“, ist Michael He- benstreit zufrieden, „wenn ich jammern würde, wäre das lächerlich.“ Vor ganz anderen Herausforderungen, wenn auch positiver Natur, steht Karl Vor- raber. Denn Exklusivabnehmer Billa ruft nach mehr Ware. „In letzter Zeit haben wir 150 neue Mitglieder aufgenommen. Gekommen sind sie vor allem aus der Milchwirtschaft und von Mutterkühen.“ Der ursprüngliche 150-Kilometer-Radius um Weiz, den sich die Gründerväter auf- erlegt haben, wird deshalb aufgehoben, auch Interessenten aus den Nachbar- bundesländern können sich melden. „In den nächsten drei Jahren wollen wir, in Abstimmung mit Billa, auf 8.000 Stück kommen“, freut sich Vorraber. Ihm ist wichtig zu betonen, dass es verschie- denste Zugänge zum fertigen Rind gibt. „Natürlich ist Almo vor allem für Ochsen bekannt. Wir haben aber auch Jungkalbin- nen im Programm. Die können vor allem für sehr extensive Betriebe interessant sein. Aber auch Milchviehbetriebe, die ihre Nachzucht wieder selber mästen wol- len, sollen sich angesprochen fühlen.“ Er ist mit seinem Team derzeit viel auf den Höfen unterwegs, um den Einstieg in den Umstieg zu begleiten. Michael Hebenstreit unterstreicht, dass seine Ochsen (anders als die Eisbären) ein „unkompliziertes Vieh“ seien. Trotz mög- licher Mercosur-Importe bleibt er zuver- sichtlich: „Wir waren immer Optimisten. Und wir arbeiten mit dem Lebensmit- teleinzelhandel zusammen. Dort ist man Österreich, anders als in der Gastronomie, sehr treu.“ Billa garantiert beim Frisch- fleisch zum Beispiel zu hundert Prozent die heimische Herkunft. Ihm ist es wich- tig, dass das Leben draußen die wohl tier- freundlichste Form der Fleischproduktion ist: „Unsere Ochsen sollen es gut haben, bevor sie auf die ewige Weide gehen.“ Die Rind Steiermark bemüht sich, den Anteil der in der Steiermark geborenen und in der Steiermark gemästeten Tiere kontinu- ierlich zu steigern. Karl Vorraber: „Warum sollen unsere Jungkalbinnen in den Ex- port gehen, wenn sie genauso gut daheim bleiben können? Mit Programmen wie Almo und Billa als verlässliche Abnehmer wird das möglich sein.“ almo.at 21