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Aberwitzige Preise für Kälber

Kälber sind, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, aktuell für zwei Cappuccini zu haben. Laut deutschem Landwirtschaftsministerium (BMEL) bekamen Züchter im Oktober nur noch durchschnittlich 8,49 Euro; im Mai waren es immerhin noch 25 Euro. Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) nannte ein deutsches Mittel von 7,89 Euro. „Wichtig ist, dass es sich um den Preis für weibliche schwarzbunte Kälber handelt“, sagte Tim Koch von AMI. Doch auch Stierkälber waren mit 50 Euro nur noch halb so viel wert wie im Frühjahr. Der Zuchtverband Schwarzbunt und Rotbunt Bayern bestätigt, dass die Preise zuletzt gesunken sind. Auf Versteigerungen würden bis zu 260 Euro bezahlt. Die Zahl von 8 Euro kann sich der Verband nicht erklären.

Für die betroffenen Betriebe ist der Preisdruck eine Herausforderung. Der Vize-Präsident des Bauernverbands (DBV), Karsten Schmal, rechnet vor: „In der Regel bleibt ein Kalb drei Wochen auf dem Hof. In dieser Zeit kostet ein Kalb etwa 150 bis 200 Euro. Nun sind mir 8,50 Euro nicht untergekommen, aber wir haben Kälber schon für 50 Euro verkauft. “

Die Bundesregierung begründete den Preiseinbruch mit einem Überangebot. Üblicherweise werden überzählige Stierkälber an ausländische Mastbetriebe verkauft. Transportzahlen der Bundesregierung zeigen, dass der Export zuletzt ins Stocken geraten ist. Der DBV macht dafür auch einzelne Veterinärämter verantwortlich. Sie würden keine Genehmigungen mehr für Kälbertransporte in andere EU-Länder erteilen. Das führe direkt zu einem starken regionalen Angebotsüberhang. Die oftmals mehr als 19 Stunden dauernden Transporte sind aus Gründen des Tierwohls umstritten.

Koch sieht die Blauzungenkrankheit, die seit Dezember 2018 wieder in Deutschland grassiert, als Hauptursache. Für den Mensch ist sie ungefährlich, doch sie habe dazu geführt, dass der Kälberexport eingeschränkt worden sei. „Der Export ist derzeit nur mit einer vorherigen Untersuchung möglich. Das ist mitunter teurer als der Wert des Tieres, und das macht dann natürlich keiner“, sagte Koch. Er geht davon aus, dass die Seuche mit Hilfe von Impfungen in den Griff zu bekommen ist – und die Preise dann auch wieder steigen. 

Für Hubertus Paetow, Präsident der DLG, hat das Problem eine größere Dimension: „Das Kalb hat keinen Platz in der Wertschöpfungskette, und so kommt es dazu, dass es verschleudert wird“. Der Bedarf an Milchkühen stagniere, und die Rinderaufzucht zur Fleischherstellung sei in Deutschland aufgrund der starken Konkurrenz aus Südamerika nicht rentabel. Um den Preis für Kälber zu stabilisieren, nannte Paetow zwei Möglichkeiten: „Entweder wir sind freiwillig bereit, für deutsches Kalbfleisch mehr zu bezahlen, oder wir lassen uns ein Verfahren einfallen, das sicherstellt, dass der wesentliche Teil der deutschen Kälber auch rentabel zur Fleischproduktion verwendet werden kann.“