Nische Honig als Chance für Profis

Die Begeisterung, mit der der stets kettenrauchende Bienenvater über seine Völker spricht, wirkt ansteckend. Wenn er über die 1.200 Stöcke spricht, die er gemeinsam mit seinem Neffen Johannes Neuburger betreut, schwingt ein Hauch der Verschwiegenheit mit. „Zu viel darf ich nicht erzählen, sonst nimmt mir jemand meine besten Plätze weg“, berichtet der Imker aus Tribuswinkel über gut gehütete Geheimnisse.

Ursprünglich schien sein Lebensweg allerdings in eine ganz andere Richtung zu gehen. „Bauer wollte ich schon werden, aber der Grund und Boden hat mir gefehlt“, erzählt Preissl. Also wurde es ein Berufsweg in den Semperit-Werken im benachbarten Traiskirchen, bei dem er es bis zum Meister brachte. „Vor 60 Jahren, mit 14, habe ich mir bei zwei alten Damen 400 Schilling ausgeliehen, damit ich mir ein Bienenvolk kaufen kann. Das habe ich dann ein Jahr lang abgestottert.“ Ein paar Rassehennen  und  – enten sind als Hobby hinzugekommen – das war es damals aber mit den landwirtschaftlichen Ambitionen Preissls.

Erst 1978, als auch sein Neffe Johannes Neuburger Interesse an der Imkerei zeigte, folgte der Schritt in die Professionalisierung. Neben den damals rund 150 Bienenvölkern begannen sich die beiden intensiv mit der Zucht zu befassen. 1984 kündigte Preissl dann seinen (damals noch) sicheren Posten bei der Semperit, um sich ganz der Imkerei zu widmen. Das finanzielle Risiko bei diesem großen Schritt sei nicht zu verachten gewesen. Nebenbei sind eine Zeit lang sogar 70 Milchziegen mitgelaufen, um zusätzliches Einkommen ins Haus zu bringen. „Aber ich bin eine Siebentagewoche gewöhnt, ich könnte mich gar nicht zum Fernseher setzen und nichts tun“, meint der längst im Pensionsalter befindliche Imker.

Seit mittlerweile 44 Jahren stehen Preissl und Neuburger mittlerweile am Meidlinger Markt und seit 42 Jahren am Naschmarkt. 35 Jahre sind es am Karmelitermarkt. Mit ihren Honigen, Mets und Kerzen haben sich die beiden dort ein treues Stammpublikum aufgebaut. „Qualität hat Bestand“, so die einfache Formel des Erfolges. Den Rest der Ernte verkaufen die Imker an den Großhändler Honigmayr. Als vor 15 Jahren ein eigenes Betriebsgebäude errichtet wurde, war auch die Zeit des Herumvagabundierens mit der Produktion vorbei. Preissl: „Mit der Met-Produktion waren wir lange im Pfarrerkeller in Tribuswinkel eingemietet. Die ersten Rezepte aus einem Buch in Mittelhochdeutsch musste die Verwandtschaft probieren.“ Vier verschiedene Honigweine sind dann im Sortiment geblieben. „Irgendwann habe ich dann Holzfässer von einem Wahlonkel bekommen, der den Weinbau aufgegeben hat.“ Heute stehen die Produktionsräume mit ihrer Edelstahlausstattung einer modernen Weinkellerei in nichts nach.

Für geraume Zeit haben Preissl und Neuburger auch mit ihrer eigenen Bienenrasse gehandelt. „Wir brauchen schwarmträge, winterharte Bienen. Daher haben wir 30 Jahre an einer Kreuzung von karnischen und anatolischen Rassen gezüchtet.“ Zumindest in diesem Bereich treten die Imker mittlerweile kürzer. Noch haben Onkel und Neffe Pläne für die Zukunft. Ein Übernehmer in der eigenen Familie ist aber noch nicht in Sicht. Mittelfristig hoffen die beiden aber, ihren Betrieb in jüngere Hände geben zu können. Preissl: „Eines wissen wir aber: Einen Nachfolger zu finden  wird schwierig.“  

STEFAN NIMMERVOLL

Erstellt am 6.8.2016