… genau betrachtet

Foto: privat

Ziemlich retro

Zum 60. Jubiläum des Weltmilchtages haben sich die offenbar in die Jahre gekommenen Werber der heimischen Milchwirtschaft etwas Besonderes einfallen lassen – und das klassische Milchglas von „anno 1968“ wiederbelebt. Erinnern Sie sich noch? Voll „retro“ – aber auch cool, Oida?
Ob man mit knapp 50 Jahre altem Design wieder mehr – junge – Menschen zu täglichem Milchkonsum animieren wird, darf bezweifelt werden. TV- und Print-Werbung für Milch und Milchprodukte ist in Österreich ja traditionell eher altbacken und ähnelt bis heute im Stil oft den LK-„Belangsendungen“ im Fernsehen der 1970er mit „Grünen Argumenten“ für das „Weiße Gold“. Somit passt der auferstandene Becher ins übliche Retro-Bild von melkenden Bauern, Tankwagen in idyllischer Landschaft und „Mopros“ am Jogl­tisch.
Nüchtern monoton kommt die Milch auch in der Industrieverpackung im Regal daher. In Österreich stammt die Milch von Heuwiesen oder Bergbauern, aber nicht mehr von Kühen, nicht einmal von lilafarbenen. Das Tetra-Pak-Outfit nicht nur der Handelsmarken wie auch die „gesleevten“ Joghurt-/Butter-/Topfen-Tiegel ähneln heute einförmigen Kleister- oder Fugenmasse-Angeboten im Baumarkt. Und weil kaum je weiß, sondern grün oder gelb, landet nach dem Griff in den Kühlschrank schon mal Fruchtsaft statt Milch im Kaffeehäferl. In Holland, wo zunehmend Weidehaltung propagiert wird, gibt es jetzt sogar eigene „Jersey-Milch“. Auffällig beworben samt Bild dieser Milchrasse. Dort klagt kein Bauer darüber, dass die Kids nicht mehr wissen, wie eine Kuh aussieht. Dort sieht man sie täglich im Grünen. Oder am Tetra-Pak.