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Chefredakteur Bernhard Weber

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30 Jahre Ökosozial

Vor 30 Jahren, 1987, folgte auf zwei ungeliebte SPÖler mit Josef Riegler wieder ein ÖVP-Landwirtschaftsminister am Stubenring. Angesichts der zunehmenden Sensibilität vieler Menschen für Umweltprobleme leitete er alsbald einen Kurswechsel in Agrarfragen ein – mit seinen visionären Ideen für eine „ökosoziale Agrarpolitik“, die er später programmatisch zur „ökosozialen Marktwirtschaft“ erweiterte. Österreich in vielen Bereichen als „Öko-Musterland“ zu etablieren war das Ziel – mit gezielten Öko-Steuern und im Agrarbereich statt Wachsen oder Weichen besser die bäuerlichen Familienbetriebe zu fördern.

Vieles ist ihm und seinen Nachfolgern im – per 1. April 2000 – auch um die Umweltagenden erweiterten Agrarressort unbestritten gelungen. Acht von zehn Bauernhöfe wirtschaften heute unter strengen Umweltauflagen, mehr als 22.000 streng biologisch. Manche Vorhaben, von Biosprit bis zur steuerlichen Entlastung von Arbeit, entpuppten sich als (obwohl seit 1993 verbotenes) Strohfeuer oder gar Chimäre. Heute konterkarieren strittige Forderungen – etwa nach Agrardiesel – Rieglers Konzepte. Und zuletzt fragte man sich: Was denken er und seine einstigen Mitstreiter Georg Schwarzenberger oder der langjährige SVB-Obmann Karl Donabauer über den wenig effektiven Griff in den Sozialtopf der Bauern?

Vielleicht äußern sie sich ja dazu am 24. Jänner bei der Veranstaltung „30 Jahre Ökosoziale Marktwirtschaft“ in Wien, mit all ihren Polit-Enkeln. Bevor möglicherweise noch heuer wieder andere das Ruder übernehmen.

Ein Kommentar von BLICK INS LAND-Chefredakteur BERNHARD WEBER