GENAU BETRACHTET

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Wenig Anlass für Jubel

Nach monatelangem Zerren haben 18 von 28 EU-Staaten der Verlängerung der Zulassung von Glyphosat um weitere fünf Jahre zugestimmt. Das Votum sollte gerade von Bauern nicht allzu sehr bejubelt werden.
Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel darf zwar weiterhin auf Produktionsflächen für Getreide, Mais, Ölfrüchte oder Zuckerrüben versprüht werden. Dabei wurde es in gut einem Viertel aller Gemeinden in Österreich längst aus den Blumenrabatten oder Spielplatzflächen auf öffentlichem Grund verbannt.
Allein der nicht ausgeräumte Verdacht, der zwar sehr effiziente Wirkstoff gegen Gräser und Unkräuter aller Art könnte krebserregend sein, hätte bis zur endgültigen Klärung aller Bedenken ein Moratorium (wie bei den ebenfalls strittigen Neonicotinoiden) gerechtfertigt.
Dass die „für sich, rein sachorientiert“ getroffene Pro-Glyphosat-Entscheidung des Deutschen Landwirtschaftsministers – seine Stimme war in Brüssel ausschlaggebend – als Abschiedsgeschenk an seine persönliche Zukunft fern der Politik gesehen werden kann, macht die Angelegenheit zur Farce. Damit habe er erreicht, „den Glyphosat-Einsatz für privaten Gebrauch und für andere Gebräuche zu reduzieren“, rechtfertigte sich Christian Schmidt.
Warum eigentlich nur dort, möchte man ihn fragen. Denn diese Frage werden viele Konsumenten nun den Landwirten stellen.
Fazit: Die EU-Agrarpolitik hat einmal mehr eine Chance verpasst, sich als umsichtig gewissenhaft zu zeigen.