GENAU BETRACHTET

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Der große Graben

Wenn Milchbauern ihre Produktion für glyphosatfrei erklärten, sei das „so sinnvoll, wie wenn Ackerbauern dem Spaltenboden abschwören“ würden, erklärte vor kurzem ein hochrangiger Ackerbau-Funktionär im Vieraugen-­gespräch mit Blick ins Land, ohne namentlich zitiert werden zu wollen. Die Nichtberücksichtigung von Andrä Rupprechter im neue Regierungsteam sei „für die gesamte Bauernschaft in unserem Land ein Schlag ins Gesicht“, schäumten zeitgleich Tirols Agrarspitzen verbittert über den Verlust ihres Landsmannes.
Beide Aussagen, so unterschiedlich sie auch sind, zeigen eine Gemeinsamkeit: Durch Österreichs Landwirtschaft geht mittlerweile ein massiver Riss, die Bauernhäuser im gebirgigen Westen und flachen Osten spaltet ein tiefer Graben. Der Grund dafür: Nicht nur unter Konsumenten, auch im Bauernstand selbst scheiden sich längst die Geister, welche Wege die Agrarproduktion einschlagen soll. In Tirol traut man einer Kärntnerin aus der eigenen Gesinnungs­gemeinschaft nicht zu, Interessen von Bergbauern zu vertreten. Die Körndlbauern wiederum nehmen den Hörndlbauern krumm, dass diese nach GVO-Futter nun auch auf umstrittene Spritzmittel (und wohl bald auf Kraftfutter von damit behandelten Äckern) verzichten.
Wahrlich keine leichte Aufgabe für die neue, junge Bauernführung, Bauernbundpräsident Georg Strasser und Agrarministerin Elisabeth Köstinger, den Graben wieder zuzuschütten. Bis zum Herbst gemeinsam mit LK-Chef Hermann Schultes. Wobei sich der für solche Arbeiten wenig hervorgetan hat.