GENAU BETRACHTET

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Paradigmenwechsel

Die neue Bundesregierung hat aus dem früheren Ministerium für Land- und Forst-, Umwelt- und Wasserwirtschaft, erweitert um die Agenden Tourismus, Energie und sogar Bergbau, ein Mega-Verwaltungsressort geschaffen. Im neuen Namen „Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus“ (BMNT) fehlte für die Landwirtschaft der Platz. Was die zuständige Ministerin mit viel Charme nicht als Manko, sondern als Aufwertung erklärt. Die Landwirtschaft stehe, wenn auch unerwähnt, beim Schlagwort Nachhaltigkeit weiterhin im Zentrum. Unverblümter argumentiert der Präsident der Landwirtschaftskammer: Man hätte es auch Ministerium „für Landwirtschaft, Bergbau und Raumplanung“ nennen können. Aber das sei doch „retro“ …
Landwirtschaft klingt retro? Ein unbedachter Lapsus? Oder treffender formuliert als geplant? Haben Agrarthemen und Bauernanliegen im neuen Superministerium wirklich gleich viel Gewicht wie bisher? Zweifel macht sich breit. Nicht wegen der Lappalie rund um die Amtsbezeichnung. Neue „Leuchtturmprojekte“ im Binnenland Österreich sind etwa die Umstellung vom Billigst- auf Bestbieterprinzip im Beschaffungswesen öffentlicher Großküchen oder die transparente Herkunftskennzeichnung von Agrarprodukten in Eigenmarken von Handelsketten. Nicht mehr im Visier stehen Gastronomie und Hotellerie. „Die Wirte sind unsere Freunde und durch Auflagen überbelastet“, flöten die Ministerin und der Kammerboss unisono: „Ein Paradigmenwechsel!“ Das hat sich bis vor kurzem noch anders angehört. Aber da war der Tourismus noch nicht Teil des BMNT.